Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Neu in Kathrin Voglers Team: IPS-Stipendiatin Dina Kukali aus Palästina

09. April 2019
elvi Dina Kukali

Der Deutsche Bundestag vergibt in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität sowie der Technischen Universität jährlich etwa 120 Stipendien für junge Hochschulabsolventen aus 42 Nationen; das Programm dauert jeweils vom 1. März bis zum 31. Juli und steht unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten. In diesem Jahr betreut Kathrin Vogler von Anfang April bis Ende Juni die Stipendiatin Dina Kukali aus Palästina.

Dina: Lernen und lehren für den Frieden

Mein Name ist Dina Kukali und ich bin 24 Jahre alt. Aufgewachsen bin ich in Beit Sahour, in der Nähe von Bethlehem/Palästina. Nachdem ich die griechisch-katholische Schule erfolgreich beendet hatte, absolvierte ich ein vierjähriges Bachelorstudium im Studienfach „Übersetzung Deutsch-Arabisch und Englisch“ in der deutsch-jordanischen Universität der pädagogischen Fakultät in Jordanien /Amman. Mein Wunsch ist es, in naher Zukunft Deutsch als Fremdsprache in Palästina zu unterrichten. Daher nahm ich nach dem Bachelor das Masterstudium „Deutsch als Fremdsprache“ auf, welches ich vor kurzem erfolgreich abgeschlossen habe. Während meines Studiums bekam ich zunehmend mit, wie wichtig sowohl Kultur und Politik als auch die Geschichte des Landes der Zielsprache für deren Erlernen ist.

Als zukünftige Deutschlehrerin bietet mir die Teilnahme an diesem Bundestags-Stipendium Einblicke in die parlamentarische Demokratie, politische Kultur und gesellschaftlichen Diskurse, Erfahrungen, die ich später an meine Schüler*innen und Student*innen weitergeben kann. So möchte ich einen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis zwischen Deutschland und Palästina leisten und die bilateralen Beziehungen fördern. Der Meinungsaustausch sowie das Kennenlernen anderer Nationalitäten ist die Grundlage dafür, dass man mit anderen Menschen in Frieden leben kann. Gerade für mich als Palästinenserin ist dies eine einzigartige Erfahrung, da die Situation in meinem Heimatland schon seit Jahren alles andere als friedlich ist.

Ich bin gespannt darauf zu erfahren, wie sich in Deutschland die politische Streitkultur, demokratische Werte, Verantwortung und Toleranz auf das Parlament, die Gesellschaft und die Wirtschaft auswirken. Für mich, als Palästinenserin und als Lehrerin im Bereich DaF/DaZ, haben diese Aspekte eine große Bedeutung, denn in Palästina ist alles politisch, das Alltagsleben, das Lernen und die Arbeit. Auch deshalb freue ich mich auf interessante Menschen, inspirierende Gespräche und neue Einsichten.

Das Praktikum im Bundestagsbüro

Den dreimonatigen praktischen Teil meines Bundestags-Stipendiums verbringe ich gerade im Büro der Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler (Fraktion Die Linke.). Kathrin ist die friedenspolitische Sprecherin der Fraktion, und die Idee, dass ich bei einer Abgeordneten arbeite, die sich für zivile Konfliktlösungen und für Frieden einsetzt - was in meinem Heimatland fehlt, ist für mich sehr bedeutsam. Dass sich Kathrin auch ganz konkret mit den Konflikten in den arabischsprachigen Ländern sowie mit der Frage,  wie diese Konflikte friedlich zu lösen sind, beschäftigt, macht mein Praktikum umso spannender. 

Die Arbeit in Kathrins Büro ermöglicht mir, den Konflikt in meinem Heimatland aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das gibt mir auch die Hoffnung, dass mithilfe von Kathrin und vielen anderen, die wie sie für Frieden in der Welt kämpfen, ich und viele andere Menschen aus den arabischen Regionen irgendwann ein sicheres Leben haben werden.

Erfahrungsbericht 2017

04. Juli 2017
Kathrin Vogler Katarina Lavric

1. Einleitung

Meine IPS Geschichte hat vor langer Zeit an der Universität Ljubljana angefangen, als mir mein Deutschprofessor das Praktikum empfohlen hat. Letztes Jahr war es so weit; ich habe mein Masterstudium in Politik und Verwaltung sehr erfolgreich abgeschlossen und habe mich um das IPS beworben. Zum Auswahlgespräch bin ich nach Zagreb gefahren und meine Auswahlkommission war sehr nett, vor allem Herr Jörn Wunderlich. Als die E-Mail gekommen ist, dass ich ausgewählt wurde, habe ich mich darüber sehr gefreut. Die guten Nachrichten haben damit aber nicht aufgehört. Am Anfang des Praktikums habe ich erfahren, dass ich bei der Bundestagsfraktion DIE LINKE arbeiten werde und mit dieser Zuteilung war ich ebenso sehr zufrieden. Wie genau mein IPS Praktikum im Abgeordnetenbüro Kathrin Vogler, aussah, werde ich in diesem Erfahrungsbericht beschreiben. Ich werde erstens davon berichten was meine Bürotätigkeiten waren und wie ich gelernt habe, wie man das Abgeordnetenbüro leitet. Zweitens, werde ich meine wissenschaftlichen Mitarbeit Tätigkeiten widerspiegeln. In den Sitzungswochen habe ich zusammen mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Arbeitsgruppen und Arbeitskreisen gearbeitet und am Ausschuss für Gesundheit und Unterausschuss für Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln teilgenommen. Besonders interessant waren die Fraktionssitzungen, bei welchen man nicht nur die Fraktion kennenlernte, sondern sich auch sprachlich weiterbilden konnte. Es waren aber die Nichtsitzungswochen in denen die meiste Arbeit geleistet wurde. Drittens, werde ich meine Wahlkreisreiseerfahrung darstellen und am Schluss folgt noch die Zusammenfassung.

2. Bürotätigkeiten

Am Anfang des Praktikums habe ich von unserer Büroleiterin Frau Scheller eine zweiwöchige Einarbeitung darin bekommen, wie man ein Abgeordnetenbüro leitet. Angefangen hat es mit der Postabholung, Postsortierung und E-Mailkommunikation. Das sind alles sehr wichtige Aufgaben, weil man einschätzen können muss, welche Briefe und E-Mails für die Abgeordnete aus ihren Politikbereichen wichtig sind und welche nicht, welche Veranstaltungen es für sie zu besuchen lohnt, welche Interviewanfragen aus parteipolitischen Zwecken zu verabreden sind, usw. Weiter habe ich gelernt, wie man mit den Terminanfragen umgeht und wie man sie mit der Abgeordneten klärt und danach organisiert. Ebenso wurde mir beigebracht, wie man eine Büroklausur durchführt, was die Zuständigkeiten des Wahlkreisbüros und dessen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind, wie man die Kommunikation zwischen den Büros aufrechterhält, die Büromaterialbestellung und noch mehr. Ich wurde von Frau Scheller zu dem Maße angelernt, dass ich sie während ihrer zweiwöchigen Abwesenheit vertreten durfte. Ein sehr bedeutender Teil der Arbeit war ebenso die Pressearbeit. Man muss die Internetseite der Abgeordnete regelmäßig pflegen - dazu gehört insbesondere das Einstellen von Pressemitteilungen und Presseberichten. Meine theoretischen Kenntnisse darüber habe ich während des Praktikums in die praktischen Erfahrungen umwandeln können, indem ich verschiedene Pressemitteilungen geschrieben habe, unter anderem über die Protestaktion gegen die Autobahnprivatisierung.

3. Wissenschaftliche Mitarbeit

Meine Abgeordnete Kathrin Vogler ist, wie schon oben erwähnt, in einem Ausschuss und in einem Unterausschuss tätig, die verschiedene Politikbereiche abdecken. Deshalb hat sie für jedes Thema einen wissenschaftlichen Mitarbeiter. Siegfried Dierke ist für die Gesundheitspolitik und Marek Voigt für die Friedenspolitik zuständig. Ich habe die Möglichkeit gehabt in beiden Bereichen tätig zu werden und die Chance habe ich gerne genutzt. Unter Betreuung des jeweiligen Mitarbeiters habe ich neben den üblichen wissenschaftlichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel Arbeitsgruppe- und Arbeitskreis-Arbeit, an verschiedenen politischen und verwaltungsmäßigen Angelegenheiten gearbeitet. 

Im friedenspolitischen Bereich habe ich am Treffen des Beirats Zivile Krisenprävention teilgenommen. Während meiner Praktikumszeit in Frau Voglers Büro hat der Beirat über die neuen Leitlinien für das internationale Krisenmanagement der Bundesregierung diskutiert.  Ich habe für Frau Vogler das Briefing zum Thema „EU Militarisierung“ vorbereitet und ebenso mitverfolgt, was mit ihrer initiierten Kleinen Anfrage zum Thema „Situation der Zivilbevölkerung in Mossul“ passierte und gelernt, wie man die darauf folgende Antwort der Bundesregierung für die Pressearbeit verwenden kann.

Der gesundheitliche Bereich war für mich deshalb sehr interessant, weil ich mit dem Thema nicht sehr verwandt war. Herr Dierke hat mir das deutsche Gesundheitssystem und die Gesundheitspolitik erklärt, aber vor allem die gesundheitlichen Bereiche in welchen Frau Vogler tätig ist. Zu denen gehören zum Beispiel Arzneimittelpreise, Arzneimittelschädigungen, Sterbehilfe, Korruption und Transparenz, usw. Er hat mir auch gezeigt, wie man den Pressespiegel verarbeitet und zusammenfasst. Da ich eine lernbereite Person bin und die Betreuung durch Herrn Dierke ausgezeichnet war, konnte ich in dem Gebiet auch arbeiten. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich an das Bundesministerium für Gesundheit eine Schriftliche Frage gestellt habe. Unser Büro hat weit über 100 Protestschreiben von Psychotherapeut*innen bekommen, die sich über den Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses zur Bewertung der neuen Leistungen, wie zum Beispiel, der psychotherapeutischen Sprechstunde, beschwert haben. Darauf wollte ich reagieren und den Wählern besonders in der Zeit vor Landtagwahlen und Bundestagwahlen zeigen, dass man sich für sie einsetzt. Durch Beantwortung der Beschwerdebriefe und Beschwerdeemails habe ich gelernt, wie man mit Bürgerinnen und Bürgern kommuniziert, bzw. wie man eine Antwort darauf vorbereitet. Frau Vogler ist gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag und für Verbände, Bürgerinnen und Bürger etc. oft die erste Anlaufstelle für die Wahlprüfsteinfragen. Als verantwortungsvolles Abgeordnetenbüro haben wir darauf reagiert, dafür ist die Arbeit mit den Referenten unvermeidbar. Durch Beantwortung dieser Fragen habe ich erfahren, wie die Kommunikation innerhalb einer Fraktion funktioniert, heißt zwischen allen Akteuren, die an der Arbeit einer Fraktion beteiligt sind (Abgeordnete aus verschiedenen Politikbereichen, Referenten und anderen Fraktionsangestellten). Zusammen mit Herrn Dierke und gesundheitspolitischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Fraktion DIE LINKE haben wir die Veranstaltung „Arzneimittel als öffentliches Interesse – kurze und lange Wege aus der Kommerzfalle“, die am 28. Juni 2017 stattfindet, organisiert. Dabei war ich unter anderem für den Einladungstext, Save-the-Date E-Mail, Referentenliste und E-Mailverschicken für die Einladung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen zuständig. Was ich durch die wissenschaftliche Mitarbeit vor allem aber gelernt habe, ist, wie die Gesetzgebungsprozesse in Praxis aussehen und über welche Instrumente eine Oppositionspartei verfügt, um die Regierung zu kontrollieren. 

4. Wahlkreisreise

Vom 21. bis 23. April 2017 hat meine Wahlkreisreise nach Emsdetten in Nordrhein-Westfalen stattgefunden. Hier hatte ich die Möglichkeit die Arbeit einer Bundestagsabgeordneten im Wahlkreis kennenzulernen und mich mit den Wahlkreiskollegen auszutauschen. Auch hatte ich die Möglichkeit, Frau Vogler zu einer Podiumsdiskussion „Zukunft der Pflegepolitik“ in Essen zu begleiten und sehr viel über die Pflegepolitik und wie alle Parteien dazu stehen, zu lernen. Dazu habe ich auch eine Pressemitteilung geschrieben. Außerdem habe ich erfahren, wie man auf lokaler Ebene Politik macht und wie man Kontakt zu Bürger*innen hält.        

5. Zusammenfassung

Das Praktikum im Abgeordnetenbüro war eine bereichernde, einzigartige und wunderschöne Erfahrung. Das alles habe ich der ausgezeichneten Betreuung meiner Abgeordneten Kathrin Vogler, der Büroleiterin Anita Scheller und den wissenschaftlichen Mitarbeitern Marek Voigt und Siegfried Dierke zu verdanken. Mein großer Dank geht auch an alle Mitarbeiter der linken Abgeordneten und Referenten aus dem Gesundheitsbereich, die mir ebenso vieles beigebracht haben. Ich wurde sehr gut aufgenommen und entsprechend ausgebildet, damit haben sich meine hohen Erwartungen an die Fraktion DIE LINKE. erfüllt. Ich wurde im Abgeordnetenbüro ernst genommen und mir wurden meiner Ausbildung entsprechend die herausfordernden Aufgaben zugeteilt.

 

Berlin, der 16.06.2017

Katarina Lavric

IPS Stipendiatin aus Slowenien

Abschlussbericht Praktikum

01. April 2017
Kathrin Vogler Maximilian Beike

Heute geht mein Praktikum im Berliner Büro zu Ende und ich kann auf sieben sehr interessante und schöne Wochen zurückblicken. Besonders in den vier Sitzungswochen konnte ich vieles erleben und an spannenden Veranstaltungen teilnehmen. So bekam ich sowohl Einblicke in den Ausschuss für Gesundheit als auch in den Unterausschuss Zivile Krisenprävention. Aufgrund meiner Zuteilung zu Marek, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter für die Friedenspolitik, verbrachte ich die meiste Zeit mit diesem Themenbereich. Mit ihm besuchte ich unter anderem den Arbeitskreis VI Internationale Politik oder andere Meetings mit Mitarbeiten der anderen Fraktionen und der eigenen sowie Leuten vom Auswärtigen Amt. Trotzdem ermöglichte mir Siggi, Kathrins wissenschaftlicher Mitarbeiter für Gesundheitspolitik, dass ich auch an einigen Veranstaltungen aus dem Gesundheitsbereich teilnehmen konnte. Er nahm mich mit zu einer Ausschusssitzung und dem Arbeitskreis für Soziales, Gesundheit und Rente. Das Highlight war jedoch unser Abstecher zum Frühjahrsempfang der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Dort zeigte er mir das Who is Who des Gesundheitsbereichs. Außerdem hatte ich dann auch mal die Gelegenheit, meinen Anzug zu tragen. À propos Anzug: Einen solchen musste ich bei der Arbeit im Bundestag übrigens nie tragen und darüber bin ich auch ziemlich froh, ich will ja nicht aussehen, als gehörte ich zur CDU. Die entspannte Kleiderordnung ging Hand in Hand mit der Atmosphäre in unserem Büro. Das stets freundliche Miteinander machte es mir wirklich einfach, mich schnell einzufinden und wohl zu fühlen. Aus all diesen Gründen bin ich überzeugt, mit dem Praktikum hier eine gute Entscheidung getroffen zu haben und kann auch nur allen Interessierten dazu raten, sich hier zu bewerben.

Die neue IPS Stipendiatin aus Slowenien

31. März 2017
Kathrin Vogler Katarina Lavric

Katarina Lavric, die neue IPS-Stipendiatin aus Slowenien

Mein Name ist Katarina Lavric und ich werde dieses Jahr vom März bis Juli im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS) mein Praktikum im Abgeordnetenbüro Kathrin Vogler absolvieren. Ich habe mein Politik- und Verwaltungswissenschaften Masterstudium an der Universität Konstanz und an der Universität Warschau erfolgreich abgeschlossen. Ich komme aus Slowenien, aus der Stadt Bled, der auch bei den deutschen Touristen sehr beliebt ist. Ich freue mich riesig im Bundestag die deutsche Politikgestaltung aus der ersten Hand erleben zu dürfen und mein Land in Deutschland ein bisschen bekannter zu machen (Slowenien, nicht Slowakei) :).

Erfahrungsbericht der ersten Praktikumswoche

23. Februar 2017
Kathrin Vogler Maximilian Beike

Maximilian Beike im Berliner Büro (Foto: Kathrin Vogler, MdB)

Meine erste Woche im Berliner Abgeordnetenbüro

Mein Name ist Maximilian Beike, ich bin 22 Jahre alt und studiere Politik und Wirtschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Im Rahmen meines Bachelorstudium muss ich ein 8-wöchiges Pflichtpraktikum absolvieren. Da kam es mir sehr gelegen, dass mit Kathrin eine  amtierende Bundestagsabgeordnete aus meiner Heimatstadt Emsdetten nun in Berlin im Zentrum des politischen Geschehens sitzt. Ich probierte einfach mein Glück und schickte meine Bewerbung an ihr Berliner Büro. Kurze Zeit später erhielt ich die Einladung zu einem Kenn-Lern-Gespräch in ihrem Wahlkreis Büro in Emsdetten. Am Ende des Treffens bot Kathrin mir diese Praktikumsstelle an und nun bin ich hier und kann schon auf meine erste Woche zurückblicken.

Um ehrlich zu sein war ich am Montag ziemlich aufgeregt, als ich mich auf dem Weg zum Jakob-Kaiser-Haus machte. Wie sind meine Kollegen? Was werden wohl meine Aufgaben sein und was erwartet man von mir?

Doch die Nervosität verflog schnell, nachdem Büroleiterin Anita mich am Eingang abgeholt hatte um mich direkt in die Bürobesprechung mitzunehmen, die zu Beginn jeder Sitzungswoche ansteht. Dort traf ich dann auch direkt auf Kathrin und lernte ihre beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter Elvi und Siggi kennen. Dann ging es schon los: Was steht in der Woche an? Ich merkte gleich, wie gefragt eine Abgeordnete in einer solchen Woche ist und wie voll ihr Terminplan ist.

Mein inhaltlicher Schwerpunkt bei diesem Praktikum soll die Friedenspolitik sein. Daher nahm mich Elvi direkt unter ihre Fittiche, da Friedenspolitik unter ihre Expertise fällt. Schon am Montag durfte ich sie zunächst zum Plattformtreffen und anschließend sogar zum Unterausschuss „Zivile Krisenprävention“ begleiten. Die Plattform Zivile Konfliktbearbeitung ist ein Netzwerk von Abgeordneten, Autoren, Vertretern von NGOs etc., die sich gemeinsam dem Thema ziviler Konfliktbearbeitung widmen und in regelmäßigen Abständen Erfahrungen austauschen. Dies fand ich besonders aufschlussreich, da ich eine nicht so öffentlich bekannte Facette der Abgeordnetenarbeit  und gleichzeitig mehr zur Tätigkeit politisch aktiver NGOs miterleben konnte.

Gleich im Anschluss mussten Elvi und ich den nächsten Sitzungssaal suchen, um rechtzeitig zum Treffen des Unterausschusses zu kommen. In dieser Woche stand das Thema der Terrorismusfinanzierung auf der Tagesordnung. Auch wenn das Thema zunächst etwas komplex klingen mag, konnte ich dem Geschehen recht gut folgen und konnte ein besseres Verständnis über den Ablauf einer solchen Ausschusssitzung erlangen. Darauf war ich besonders gespannt, da mir damals im ersten Semester beigebracht wurde, dass der Bundestag in gewisser Weise ein „Ausschussparlament“ sei und ein Großteil der Arbeit und Entscheidungen zunächst dort passieren.

Der Dienstag war für mich ähnlich ereignisreich. Um 10 Uhr starteten Elvi und ich Richtung Arbeitskreis VI „Internationale Politik“ der Fraktion. Man merkte sofort, dass alle dort Anwesenden mit Leidenschaft und Freude bei der Sache sind und auch Abgeordnete und vertretende Mitarbeiter die Themen innerparteilich kontrovers diskutieren. Für das Verständnis von all dem Input war mir Elvi eine große Hilfe. Oftmals wies sie mich auf wichtige Aspekte hin und ging immer wieder sehr ausführlich auf meine Fragen ein. Dabei merkte ich auch direkt, mit wie viel Engagement sie und Kathrin Friedenspolitik gegen alle Widerstände einer immer mehr aufrüstenden Bundesregierung betreiben und welch große Erfahrung die beiden in dem Bereich mitbringen.

Kaum waren wir vom AK VI zurück in Kathrins Büro, da kam schon Boris Kanzleiter, der Direktor des Zentrums für internationalen Dialog und Zusammenarbeit der Rosa Luxemburg Stiftung, um mit Kathrin über mögliche gemeinsame Projekte zu sprechen. Schon durch meine bloße Rolle als Zuhörer konnte ich viel neues darüber erfahren, was die Stiftungsarbeit ausmacht und an welchen Punkten eine zivile Friedenspolitik ansetzen kann.

Anschließend um 14 Uhr musste Kathrin direkt zur Fraktionssitzung und hatte mich im Schlepptau mit dabei. Wir kamen gerade rechtzeitig zum Fraktionssaal im Bundestag um noch die letzten Minuten Sarah Wagenknechts obligatorischen tête-à-têtes mit der Presse live zu verfolgen. Dann folgte die Fraktionssitzung, die ich mir ehrlicherweise (trotz Warnungen aller anderen) etwas spannender vorgestellt hatte. Zum Beispiel war der Streit um die Aufteilung der begrenzten Redezeit im Plenum für mich persönlich nicht sehr ergiebig. Dennoch bin ich froh, einmal dabei gewesen zu sein und den Ablauf einer solchen Sitzung gesehen zu haben.

Am Mittwoch war ich wieder mit Elvi unterwegs. Wir besuchten ein Symposium von FONAS (Forschungsverbund Naturwissenschaft, Abrüstung und internationale Sicherheit). Dabei erfuhr ich, dass auch die Naturwissenschaft ein wichtiger Teil der Friedensforschung ist, aber zurzeit besorgt einem Nachwuchsproblem entgegenblickt. Zwar wurden dort sehr viele technische Dinge besprochen, die ich größtenteils zuvor nicht kannte, aber Elvi half mir wieder bei der Einordnung des Gehörten und machte mir auch deutlich, dass auch alles bei solchen Fachsymposien gesagte kritisch zu hinterfragen ist(, besonders wenn regierungsnahe Organisation sich zu Wort melden dürfen).

Auch der Donnerstag begann ähnlich interessant. Kathrin und Elvi nahmen mich am Morgen mit zu einem Briefing des Auswärtigen Amts für die Mitglieder des Unterausschusses „Zivile Krisenprävention“ zu den neuen Leitlinien der Außenpolitik. Dabei konnte Kathrin ihrer Hauptaufgabe als oppositionelle Politikerin nachgehen: Der Regierung ganz genau auf die Finger zu schauen. Zum Beispiel wies sie mich noch einmal darauf hin, welchen bedeutenden Effekt bereits die Sprache auf Politik hat. Wenn beispielsweise die Bundesverteidigungsministerin davon spricht, dass eine „Umfassende Vernetzung im Sinne des Weißbuchs […] keinen Antagonismus mehr von „zivil“ und „militärisch“ [erlaubt]“ (www.peacelab2016.de/peacelab2016/debatte/friedensfoerderung/article/zivil-militärisches-krisenengagement-neue-ege-gehen-alte-huerden-ueberwinden/), dann wählt sie diese Worte ganz bewusst, wenngleich sie weiß, dass diese Begriffe per Definition Antagonismen sein müssen. Sprache wird zu einem Instrument zur Verschleierung einer gezielten Vereinnahmung des BMVgs nicht-militärischer Politikbereiche mit dem Ziel einer schrittweisen Aufrüstung.

Außerdem durfte ich mich diese Woche an der ersten Beantwortung einer Frage einer Bürgerin aus dem Wahlkreis versuchen. Noch besser gefiel mir aber die Aufgabe, die von Elvi ausgearbeitete Kleine Anfrage an die Bundesregierung zur Situation der Zivilbevölkerung im umkämpften Mossul und der Beteiligung der Bundesregierung an dem dortigen Einsatz überarbeiten. Ich sollte sie ohne entscheidende inhaltliche Verluste vom Umfang kürzen und ein paar weitere Fragen an die Bundesregierung hinzufügen.

Neben der Möglichkeit, bei einer solchen Vielzahl von spannenden Veranstaltungen persönlich teilzunehmen und dazu noch lehrreichen Input zu erhalten, ist auch die unglaublich freundliche und entspannte Arbeitsatmosphäre in Kathrins Büro und in der gesamten Fraktion eine echte Freude. Auch der Umstand, dass sich alle in der Fraktion, vom MdB bis zum Praktikanten, untereinander duzen, war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber lockert das kollegiale Miteinander ungemein auf. Seit dem ersten Tag geht man fast schon freundschaftlich mit mir um und gibt mir bei allen Problemen Unterstützung. Sei es die Beschaffung eines Hausausweises oder der Umgang mit dem Intranet des Bundestages, niemand ist sich für Hilfe zu schade. Kathrins wissenschaftlicher Mitarbeiter für Gesundheitspolitik Siggi zeigte mir die Kantine des Hauses und nahm mich mit zum (fast täglichen) Mittagessen mit den Kollegen aus dem 4. Stock, die mich allesamt unglaublich offen und freundlich begegneten, wobei ein zwei Scherze mit und über den neuen Praktikanten natürlich auch nicht fehlen durften. Außerdem nahm sich Siggi am Freitag die Zeit und gab mir sehr umfangreiche Tipps zu spannende Aktivitäten für mein erstes freies Wochenende alleine in Berlin.

Nach meiner ersten Woche in Kathrins Berliner Büro kann ich auf viele neue interessante Erfahrungen und nette Begegnungen zurückblicken, die mich in der Auswahl meiner Praktikumsstelle nur bestätigen. Nun bin ich richtig gespannt, was mir die kommenden sieben Wochen hier noch so bringen werden.