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Erfahrungsbericht 2017

04. Juli 2017
Kathrin Vogler Katarina Lavric

1. Einleitung

Meine IPS Geschichte hat vor langer Zeit an der Universität Ljubljana angefangen, als mir mein Deutschprofessor das Praktikum empfohlen hat. Letztes Jahr war es so weit; ich habe mein Masterstudium in Politik und Verwaltung sehr erfolgreich abgeschlossen und habe mich um das IPS beworben. Zum Auswahlgespräch bin ich nach Zagreb gefahren und meine Auswahlkommission war sehr nett, vor allem Herr Jörn Wunderlich. Als die E-Mail gekommen ist, dass ich ausgewählt wurde, habe ich mich darüber sehr gefreut. Die guten Nachrichten haben damit aber nicht aufgehört. Am Anfang des Praktikums habe ich erfahren, dass ich bei der Bundestagsfraktion DIE LINKE arbeiten werde und mit dieser Zuteilung war ich ebenso sehr zufrieden. Wie genau mein IPS Praktikum im Abgeordnetenbüro Kathrin Vogler, aussah, werde ich in diesem Erfahrungsbericht beschreiben. Ich werde erstens davon berichten was meine Bürotätigkeiten waren und wie ich gelernt habe, wie man das Abgeordnetenbüro leitet. Zweitens, werde ich meine wissenschaftlichen Mitarbeit Tätigkeiten widerspiegeln. In den Sitzungswochen habe ich zusammen mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Arbeitsgruppen und Arbeitskreisen gearbeitet und am Ausschuss für Gesundheit und Unterausschuss für Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln teilgenommen. Besonders interessant waren die Fraktionssitzungen, bei welchen man nicht nur die Fraktion kennenlernte, sondern sich auch sprachlich weiterbilden konnte. Es waren aber die Nichtsitzungswochen in denen die meiste Arbeit geleistet wurde. Drittens, werde ich meine Wahlkreisreiseerfahrung darstellen und am Schluss folgt noch die Zusammenfassung.

2. Bürotätigkeiten

Am Anfang des Praktikums habe ich von unserer Büroleiterin Frau Scheller eine zweiwöchige Einarbeitung darin bekommen, wie man ein Abgeordnetenbüro leitet. Angefangen hat es mit der Postabholung, Postsortierung und E-Mailkommunikation. Das sind alles sehr wichtige Aufgaben, weil man einschätzen können muss, welche Briefe und E-Mails für die Abgeordnete aus ihren Politikbereichen wichtig sind und welche nicht, welche Veranstaltungen es für sie zu besuchen lohnt, welche Interviewanfragen aus parteipolitischen Zwecken zu verabreden sind, usw. Weiter habe ich gelernt, wie man mit den Terminanfragen umgeht und wie man sie mit der Abgeordneten klärt und danach organisiert. Ebenso wurde mir beigebracht, wie man eine Büroklausur durchführt, was die Zuständigkeiten des Wahlkreisbüros und dessen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind, wie man die Kommunikation zwischen den Büros aufrechterhält, die Büromaterialbestellung und noch mehr. Ich wurde von Frau Scheller zu dem Maße angelernt, dass ich sie während ihrer zweiwöchigen Abwesenheit vertreten durfte. Ein sehr bedeutender Teil der Arbeit war ebenso die Pressearbeit. Man muss die Internetseite der Abgeordnete regelmäßig pflegen - dazu gehört insbesondere das Einstellen von Pressemitteilungen und Presseberichten. Meine theoretischen Kenntnisse darüber habe ich während des Praktikums in die praktischen Erfahrungen umwandeln können, indem ich verschiedene Pressemitteilungen geschrieben habe, unter anderem über die Protestaktion gegen die Autobahnprivatisierung.

3. Wissenschaftliche Mitarbeit

Meine Abgeordnete Kathrin Vogler ist, wie schon oben erwähnt, in einem Ausschuss und in einem Unterausschuss tätig, die verschiedene Politikbereiche abdecken. Deshalb hat sie für jedes Thema einen wissenschaftlichen Mitarbeiter. Siegfried Dierke ist für die Gesundheitspolitik und Marek Voigt für die Friedenspolitik zuständig. Ich habe die Möglichkeit gehabt in beiden Bereichen tätig zu werden und die Chance habe ich gerne genutzt. Unter Betreuung des jeweiligen Mitarbeiters habe ich neben den üblichen wissenschaftlichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel Arbeitsgruppe- und Arbeitskreis-Arbeit, an verschiedenen politischen und verwaltungsmäßigen Angelegenheiten gearbeitet. 

Im friedenspolitischen Bereich habe ich am Treffen des Beirats Zivile Krisenprävention teilgenommen. Während meiner Praktikumszeit in Frau Voglers Büro hat der Beirat über die neuen Leitlinien für das internationale Krisenmanagement der Bundesregierung diskutiert.  Ich habe für Frau Vogler das Briefing zum Thema „EU Militarisierung“ vorbereitet und ebenso mitverfolgt, was mit ihrer initiierten Kleinen Anfrage zum Thema „Situation der Zivilbevölkerung in Mossul“ passierte und gelernt, wie man die darauf folgende Antwort der Bundesregierung für die Pressearbeit verwenden kann.

Der gesundheitliche Bereich war für mich deshalb sehr interessant, weil ich mit dem Thema nicht sehr verwandt war. Herr Dierke hat mir das deutsche Gesundheitssystem und die Gesundheitspolitik erklärt, aber vor allem die gesundheitlichen Bereiche in welchen Frau Vogler tätig ist. Zu denen gehören zum Beispiel Arzneimittelpreise, Arzneimittelschädigungen, Sterbehilfe, Korruption und Transparenz, usw. Er hat mir auch gezeigt, wie man den Pressespiegel verarbeitet und zusammenfasst. Da ich eine lernbereite Person bin und die Betreuung durch Herrn Dierke ausgezeichnet war, konnte ich in dem Gebiet auch arbeiten. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich an das Bundesministerium für Gesundheit eine Schriftliche Frage gestellt habe. Unser Büro hat weit über 100 Protestschreiben von Psychotherapeut*innen bekommen, die sich über den Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses zur Bewertung der neuen Leistungen, wie zum Beispiel, der psychotherapeutischen Sprechstunde, beschwert haben. Darauf wollte ich reagieren und den Wählern besonders in der Zeit vor Landtagwahlen und Bundestagwahlen zeigen, dass man sich für sie einsetzt. Durch Beantwortung der Beschwerdebriefe und Beschwerdeemails habe ich gelernt, wie man mit Bürgerinnen und Bürgern kommuniziert, bzw. wie man eine Antwort darauf vorbereitet. Frau Vogler ist gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag und für Verbände, Bürgerinnen und Bürger etc. oft die erste Anlaufstelle für die Wahlprüfsteinfragen. Als verantwortungsvolles Abgeordnetenbüro haben wir darauf reagiert, dafür ist die Arbeit mit den Referenten unvermeidbar. Durch Beantwortung dieser Fragen habe ich erfahren, wie die Kommunikation innerhalb einer Fraktion funktioniert, heißt zwischen allen Akteuren, die an der Arbeit einer Fraktion beteiligt sind (Abgeordnete aus verschiedenen Politikbereichen, Referenten und anderen Fraktionsangestellten). Zusammen mit Herrn Dierke und gesundheitspolitischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Fraktion DIE LINKE haben wir die Veranstaltung „Arzneimittel als öffentliches Interesse – kurze und lange Wege aus der Kommerzfalle“, die am 28. Juni 2017 stattfindet, organisiert. Dabei war ich unter anderem für den Einladungstext, Save-the-Date E-Mail, Referentenliste und E-Mailverschicken für die Einladung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen zuständig. Was ich durch die wissenschaftliche Mitarbeit vor allem aber gelernt habe, ist, wie die Gesetzgebungsprozesse in Praxis aussehen und über welche Instrumente eine Oppositionspartei verfügt, um die Regierung zu kontrollieren. 

4. Wahlkreisreise

Vom 21. bis 23. April 2017 hat meine Wahlkreisreise nach Emsdetten in Nordrhein-Westfalen stattgefunden. Hier hatte ich die Möglichkeit die Arbeit einer Bundestagsabgeordneten im Wahlkreis kennenzulernen und mich mit den Wahlkreiskollegen auszutauschen. Auch hatte ich die Möglichkeit, Frau Vogler zu einer Podiumsdiskussion „Zukunft der Pflegepolitik“ in Essen zu begleiten und sehr viel über die Pflegepolitik und wie alle Parteien dazu stehen, zu lernen. Dazu habe ich auch eine Pressemitteilung geschrieben. Außerdem habe ich erfahren, wie man auf lokaler Ebene Politik macht und wie man Kontakt zu Bürger*innen hält.        

5. Zusammenfassung

Das Praktikum im Abgeordnetenbüro war eine bereichernde, einzigartige und wunderschöne Erfahrung. Das alles habe ich der ausgezeichneten Betreuung meiner Abgeordneten Kathrin Vogler, der Büroleiterin Anita Scheller und den wissenschaftlichen Mitarbeitern Marek Voigt und Siegfried Dierke zu verdanken. Mein großer Dank geht auch an alle Mitarbeiter der linken Abgeordneten und Referenten aus dem Gesundheitsbereich, die mir ebenso vieles beigebracht haben. Ich wurde sehr gut aufgenommen und entsprechend ausgebildet, damit haben sich meine hohen Erwartungen an die Fraktion DIE LINKE. erfüllt. Ich wurde im Abgeordnetenbüro ernst genommen und mir wurden meiner Ausbildung entsprechend die herausfordernden Aufgaben zugeteilt.

 

Berlin, der 16.06.2017

Katarina Lavric

IPS Stipendiatin aus Slowenien

Abschlussbericht Praktikum

01. April 2017
Kathrin Vogler Maximilian Beike

Heute geht mein Praktikum im Berliner Büro zu Ende und ich kann auf sieben sehr interessante und schöne Wochen zurückblicken. Besonders in den vier Sitzungswochen konnte ich vieles erleben und an spannenden Veranstaltungen teilnehmen. So bekam ich sowohl Einblicke in den Ausschuss für Gesundheit als auch in den Unterausschuss Zivile Krisenprävention. Aufgrund meiner Zuteilung zu Marek, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter für die Friedenspolitik, verbrachte ich die meiste Zeit mit diesem Themenbereich. Mit ihm besuchte ich unter anderem den Arbeitskreis VI Internationale Politik oder andere Meetings mit Mitarbeiten der anderen Fraktionen und der eigenen sowie Leuten vom Auswärtigen Amt. Trotzdem ermöglichte mir Siggi, Kathrins wissenschaftlicher Mitarbeiter für Gesundheitspolitik, dass ich auch an einigen Veranstaltungen aus dem Gesundheitsbereich teilnehmen konnte. Er nahm mich mit zu einer Ausschusssitzung und dem Arbeitskreis für Soziales, Gesundheit und Rente. Das Highlight war jedoch unser Abstecher zum Frühjahrsempfang der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Dort zeigte er mir das Who is Who des Gesundheitsbereichs. Außerdem hatte ich dann auch mal die Gelegenheit, meinen Anzug zu tragen. À propos Anzug: Einen solchen musste ich bei der Arbeit im Bundestag übrigens nie tragen und darüber bin ich auch ziemlich froh, ich will ja nicht aussehen, als gehörte ich zur CDU. Die entspannte Kleiderordnung ging Hand in Hand mit der Atmosphäre in unserem Büro. Das stets freundliche Miteinander machte es mir wirklich einfach, mich schnell einzufinden und wohl zu fühlen. Aus all diesen Gründen bin ich überzeugt, mit dem Praktikum hier eine gute Entscheidung getroffen zu haben und kann auch nur allen Interessierten dazu raten, sich hier zu bewerben.

Die neue IPS Stipendiatin aus Slowenien

31. März 2017
Kathrin Vogler Katarina Lavric

Katarina Lavric, die neue IPS-Stipendiatin aus Slowenien

Mein Name ist Katarina Lavric und ich werde dieses Jahr vom März bis Juli im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS) mein Praktikum im Abgeordnetenbüro Kathrin Vogler absolvieren. Ich habe mein Politik- und Verwaltungswissenschaften Masterstudium an der Universität Konstanz und an der Universität Warschau erfolgreich abgeschlossen. Ich komme aus Slowenien, aus der Stadt Bled, der auch bei den deutschen Touristen sehr beliebt ist. Ich freue mich riesig im Bundestag die deutsche Politikgestaltung aus der ersten Hand erleben zu dürfen und mein Land in Deutschland ein bisschen bekannter zu machen (Slowenien, nicht Slowakei) :).

Erfahrungsbericht der ersten Praktikumswoche

23. Februar 2017
Kathrin Vogler Maximilian Beike

Maximilian Beike im Berliner Büro (Foto: Kathrin Vogler, MdB)

Meine erste Woche im Berliner Abgeordnetenbüro

Mein Name ist Maximilian Beike, ich bin 22 Jahre alt und studiere Politik und Wirtschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Im Rahmen meines Bachelorstudium muss ich ein 8-wöchiges Pflichtpraktikum absolvieren. Da kam es mir sehr gelegen, dass mit Kathrin eine  amtierende Bundestagsabgeordnete aus meiner Heimatstadt Emsdetten nun in Berlin im Zentrum des politischen Geschehens sitzt. Ich probierte einfach mein Glück und schickte meine Bewerbung an ihr Berliner Büro. Kurze Zeit später erhielt ich die Einladung zu einem Kenn-Lern-Gespräch in ihrem Wahlkreis Büro in Emsdetten. Am Ende des Treffens bot Kathrin mir diese Praktikumsstelle an und nun bin ich hier und kann schon auf meine erste Woche zurückblicken.

Um ehrlich zu sein war ich am Montag ziemlich aufgeregt, als ich mich auf dem Weg zum Jakob-Kaiser-Haus machte. Wie sind meine Kollegen? Was werden wohl meine Aufgaben sein und was erwartet man von mir?

Doch die Nervosität verflog schnell, nachdem Büroleiterin Anita mich am Eingang abgeholt hatte um mich direkt in die Bürobesprechung mitzunehmen, die zu Beginn jeder Sitzungswoche ansteht. Dort traf ich dann auch direkt auf Kathrin und lernte ihre beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter Elvi und Siggi kennen. Dann ging es schon los: Was steht in der Woche an? Ich merkte gleich, wie gefragt eine Abgeordnete in einer solchen Woche ist und wie voll ihr Terminplan ist.

Mein inhaltlicher Schwerpunkt bei diesem Praktikum soll die Friedenspolitik sein. Daher nahm mich Elvi direkt unter ihre Fittiche, da Friedenspolitik unter ihre Expertise fällt. Schon am Montag durfte ich sie zunächst zum Plattformtreffen und anschließend sogar zum Unterausschuss „Zivile Krisenprävention“ begleiten. Die Plattform Zivile Konfliktbearbeitung ist ein Netzwerk von Abgeordneten, Autoren, Vertretern von NGOs etc., die sich gemeinsam dem Thema ziviler Konfliktbearbeitung widmen und in regelmäßigen Abständen Erfahrungen austauschen. Dies fand ich besonders aufschlussreich, da ich eine nicht so öffentlich bekannte Facette der Abgeordnetenarbeit  und gleichzeitig mehr zur Tätigkeit politisch aktiver NGOs miterleben konnte.

Gleich im Anschluss mussten Elvi und ich den nächsten Sitzungssaal suchen, um rechtzeitig zum Treffen des Unterausschusses zu kommen. In dieser Woche stand das Thema der Terrorismusfinanzierung auf der Tagesordnung. Auch wenn das Thema zunächst etwas komplex klingen mag, konnte ich dem Geschehen recht gut folgen und konnte ein besseres Verständnis über den Ablauf einer solchen Ausschusssitzung erlangen. Darauf war ich besonders gespannt, da mir damals im ersten Semester beigebracht wurde, dass der Bundestag in gewisser Weise ein „Ausschussparlament“ sei und ein Großteil der Arbeit und Entscheidungen zunächst dort passieren.

Der Dienstag war für mich ähnlich ereignisreich. Um 10 Uhr starteten Elvi und ich Richtung Arbeitskreis VI „Internationale Politik“ der Fraktion. Man merkte sofort, dass alle dort Anwesenden mit Leidenschaft und Freude bei der Sache sind und auch Abgeordnete und vertretende Mitarbeiter die Themen innerparteilich kontrovers diskutieren. Für das Verständnis von all dem Input war mir Elvi eine große Hilfe. Oftmals wies sie mich auf wichtige Aspekte hin und ging immer wieder sehr ausführlich auf meine Fragen ein. Dabei merkte ich auch direkt, mit wie viel Engagement sie und Kathrin Friedenspolitik gegen alle Widerstände einer immer mehr aufrüstenden Bundesregierung betreiben und welch große Erfahrung die beiden in dem Bereich mitbringen.

Kaum waren wir vom AK VI zurück in Kathrins Büro, da kam schon Boris Kanzleiter, der Direktor des Zentrums für internationalen Dialog und Zusammenarbeit der Rosa Luxemburg Stiftung, um mit Kathrin über mögliche gemeinsame Projekte zu sprechen. Schon durch meine bloße Rolle als Zuhörer konnte ich viel neues darüber erfahren, was die Stiftungsarbeit ausmacht und an welchen Punkten eine zivile Friedenspolitik ansetzen kann.

Anschließend um 14 Uhr musste Kathrin direkt zur Fraktionssitzung und hatte mich im Schlepptau mit dabei. Wir kamen gerade rechtzeitig zum Fraktionssaal im Bundestag um noch die letzten Minuten Sarah Wagenknechts obligatorischen tête-à-têtes mit der Presse live zu verfolgen. Dann folgte die Fraktionssitzung, die ich mir ehrlicherweise (trotz Warnungen aller anderen) etwas spannender vorgestellt hatte. Zum Beispiel war der Streit um die Aufteilung der begrenzten Redezeit im Plenum für mich persönlich nicht sehr ergiebig. Dennoch bin ich froh, einmal dabei gewesen zu sein und den Ablauf einer solchen Sitzung gesehen zu haben.

Am Mittwoch war ich wieder mit Elvi unterwegs. Wir besuchten ein Symposium von FONAS (Forschungsverbund Naturwissenschaft, Abrüstung und internationale Sicherheit). Dabei erfuhr ich, dass auch die Naturwissenschaft ein wichtiger Teil der Friedensforschung ist, aber zurzeit besorgt einem Nachwuchsproblem entgegenblickt. Zwar wurden dort sehr viele technische Dinge besprochen, die ich größtenteils zuvor nicht kannte, aber Elvi half mir wieder bei der Einordnung des Gehörten und machte mir auch deutlich, dass auch alles bei solchen Fachsymposien gesagte kritisch zu hinterfragen ist(, besonders wenn regierungsnahe Organisation sich zu Wort melden dürfen).

Auch der Donnerstag begann ähnlich interessant. Kathrin und Elvi nahmen mich am Morgen mit zu einem Briefing des Auswärtigen Amts für die Mitglieder des Unterausschusses „Zivile Krisenprävention“ zu den neuen Leitlinien der Außenpolitik. Dabei konnte Kathrin ihrer Hauptaufgabe als oppositionelle Politikerin nachgehen: Der Regierung ganz genau auf die Finger zu schauen. Zum Beispiel wies sie mich noch einmal darauf hin, welchen bedeutenden Effekt bereits die Sprache auf Politik hat. Wenn beispielsweise die Bundesverteidigungsministerin davon spricht, dass eine „Umfassende Vernetzung im Sinne des Weißbuchs […] keinen Antagonismus mehr von „zivil“ und „militärisch“ [erlaubt]“ (www.peacelab2016.de/peacelab2016/debatte/friedensfoerderung/article/zivil-militärisches-krisenengagement-neue-ege-gehen-alte-huerden-ueberwinden/), dann wählt sie diese Worte ganz bewusst, wenngleich sie weiß, dass diese Begriffe per Definition Antagonismen sein müssen. Sprache wird zu einem Instrument zur Verschleierung einer gezielten Vereinnahmung des BMVgs nicht-militärischer Politikbereiche mit dem Ziel einer schrittweisen Aufrüstung.

Außerdem durfte ich mich diese Woche an der ersten Beantwortung einer Frage einer Bürgerin aus dem Wahlkreis versuchen. Noch besser gefiel mir aber die Aufgabe, die von Elvi ausgearbeitete Kleine Anfrage an die Bundesregierung zur Situation der Zivilbevölkerung im umkämpften Mossul und der Beteiligung der Bundesregierung an dem dortigen Einsatz überarbeiten. Ich sollte sie ohne entscheidende inhaltliche Verluste vom Umfang kürzen und ein paar weitere Fragen an die Bundesregierung hinzufügen.

Neben der Möglichkeit, bei einer solchen Vielzahl von spannenden Veranstaltungen persönlich teilzunehmen und dazu noch lehrreichen Input zu erhalten, ist auch die unglaublich freundliche und entspannte Arbeitsatmosphäre in Kathrins Büro und in der gesamten Fraktion eine echte Freude. Auch der Umstand, dass sich alle in der Fraktion, vom MdB bis zum Praktikanten, untereinander duzen, war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber lockert das kollegiale Miteinander ungemein auf. Seit dem ersten Tag geht man fast schon freundschaftlich mit mir um und gibt mir bei allen Problemen Unterstützung. Sei es die Beschaffung eines Hausausweises oder der Umgang mit dem Intranet des Bundestages, niemand ist sich für Hilfe zu schade. Kathrins wissenschaftlicher Mitarbeiter für Gesundheitspolitik Siggi zeigte mir die Kantine des Hauses und nahm mich mit zum (fast täglichen) Mittagessen mit den Kollegen aus dem 4. Stock, die mich allesamt unglaublich offen und freundlich begegneten, wobei ein zwei Scherze mit und über den neuen Praktikanten natürlich auch nicht fehlen durften. Außerdem nahm sich Siggi am Freitag die Zeit und gab mir sehr umfangreiche Tipps zu spannende Aktivitäten für mein erstes freies Wochenende alleine in Berlin.

Nach meiner ersten Woche in Kathrins Berliner Büro kann ich auf viele neue interessante Erfahrungen und nette Begegnungen zurückblicken, die mich in der Auswahl meiner Praktikumsstelle nur bestätigen. Nun bin ich richtig gespannt, was mir die kommenden sieben Wochen hier noch so bringen werden.

Mein Erfahrungsbericht über das IPS in Berlin

21. Oktober 2016
Kathrin Vogler Serra Can

Serra mit ihrem neuen Hausausweis für den Bundestag.
Serra an der Spree.

Ankunft, Empfang und die ersten Tage in Berlin

Am 1. März 2016 früh morgens machte ich mich von meiner Heimatstadt Sakarya auf den Weg zum Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen und mir war ganz und gar nicht bewusst, was mich in Deutschland erwarten würde. Viele Fragen gingen mir durch den Kopf. Wie sind die Leute drauf, die ich kennenlernen werde? Wie ist der Alltag im Bundestag? Was geschieht dort? Welche Aufgaben werde ich übernehmen? Welcher Fraktion bin ich wohl zugeordnet, weil ich keine Präferenzen vorher angegeben hatte? Bin ich da mit meiner Offenheit für alles vielleicht ein zu großes Risiko eingegangen? Und immer wieder redete ich mir zu: „Ach, warte erstmal ab. Es wird sich schon zeigen. Die Erfahrung wird es wert sein. Du hast eine gewisse Arbeits- und Lebenserfahrung hinter dir, mit den Menschen wirst du schon umgehen können, egal wie sie drauf sind.“ Ich hatte mich auf eine tief formelle Atmosphäre eingestellt, weshalb ich auch fast nur förmliche Kleidung mitgenommen hatte. Am Ende war ich aber sehr froh, dass der Alltag im Bundestag nicht verkrampft und so ungeheuer förmlich abgelaufen ist, wie zuvor befürchtet. Der Flug war ganz angenehm und ich war kein bisschen nervös, weil ich zum einen ständig fliege und zum anderen Deutschland sehr gut kenne, da ich hier geboren und aufgewachsen bin. Nur die zunehmend rechtspopulistische Stimmung machte mir Sorgen. Der Rassismus in Deutschland hatte fühlbar zugenommen und sich sogar in gewissen Maßen verdeckt oder unverdeckt „salonfähig“ gemacht, was man angesichts von Pegida- oder AfD-Veranstaltungen beobachten konnte. Nach den Attentaten in Paris am 13. November 2015 hatte sich die gesamtgesellschaftliche Lage in Deutschland nicht wirklich zu Gunsten der Muslime entwickelt. Dieser Gedanke beschäftigte mich soweit, dass ich überlegte, mein geliebtes schwarzes Kopftuch nicht in den Koffer zu packen, was ich aber dann doch tat, weil schwarz nun mal mit allem kombinierbar ist und ich nichts dafür kann, wenn Menschen aus Angst, die ich auch teile, ihre Feindbilder auf mein Tuch projizieren. 

Am Flughafen Tegel angekommen, holte mich eine gute Freundin ab, die ich aus meiner Kindheit kenne und die später von Hamburg zu ihrem Mann nach Berlin gezogen ist. Wir gaben die Adresse meiner vor der Reise vereinbarten Wohngemeinschaft im Navi ein und fuhren los. Ich hatte mir schon ganz viele Notizen gemacht, wann ich wo erscheinen muss und dass ich gleich den Vermieter aufsuchen muss, damit meine Anmeldung in Berlin erfolgen kann. Meine Freundin war sehr überrascht darüber, wie ausgebucht meine ersten Tage schon aussahen und scherzte, ob ich Zeit finden würde, um mal mit ihr Kaffee trinken zu gehen.

Nach einem herzlichen Empfang in der Wohngemeinschaft, versuchte ich die paar Stunden zu nutzen, mich im neuen Zuhause einzurichten und etwas Ordnung zu schaffen, wonach ich zum ersten Treffen mit den IPSlern und den Zuständigen für das IPS an der Humboldt Universität fuhr. Nach etwas Herumirren gelang es mir den Orbis zu finden, wo es bereits von Leuten wimmelte. Eine sehr freundliche junge Frau fragte nach meinem Namen, die auf ihrer Liste stand und machte einen Haken daneben. Ich sollte Platz nehmen und warten. Ich saß mich verlegen hin und schaute die Leute an. Es hatten sich schon welche zusammengefunden, die Gespräche führten und so aussahen, als wüssten sie mehr Bescheid als ich. Da zückte ich mir die Info-Mappe, die mir vorhin gegeben wurde und tauchte ein in all das, was uns demnächst erwarten würde. Mit meinen Dokumenten und meinem Pass unter dem Arm ging ich dann zur ersten förmlichen Aufnahme, wo wir alles Wichtige abklärten.

Die ersten Tage befand ich mich im stillen Beobachtungsmodus und schaute, was wo wie abläuft, damit ich ja nichts versäume und konnte nicht sofort Kontakt zu den anderen IPSlern aufnehmen, weil ich ja auch nicht in der Wohnanlage wohnte. Erst am vierten Tag, an dem wir die Hausausweise bekommen haben, kam ich ins Gespräch mit den anderen. Über gutes Deutsch in verschiedenen Akzenten freuten sich meine Ohren und das sollte mich glücklicherweise noch einige Monate begleiten. Ich war begeistert von der Vielfalt, die wir als Stipendiaten ausmachten. Wir waren ja als Gesamthorde wie eine kleine bunte Welt, die es aber verstand auch ggf. im Einklang zu sein oder sich synchron zu bewegen. Es wunderte mich allerdings sehr, dass die überwiegende Mehrheit ihre Deutschkenntnisse in ihren Herkunftsländern erworben hatten. Dennoch verstand man deutschen Humor, Sitten und Gebräuche, was weitaus mehr als sprachliche Qualifikationen erfordert.

Ein Höhepunkt der Bekanntschaften war die Begegnung mit einem griechischen Stipendiaten, der auf mich zukam und mich fragte, woher aus Lübeck ich denn käme. „Hä, warum fragt mich ein IPSler nach meinem Stadtteil? Lübeck ist nicht gerade eine Weltmetropole?“, dachte ich mir. Mit einem verwirrten Gesichtsausdruck antwortete ich ihm dann. Er grinste und fragte: „Sagt dir Mengstraße 9 etwas?“ Meine Augen öffneten sich ganz weit und ich konnte es nicht fassen, dass sich ausgerechnet hier im IPS zwei Lübecker getroffen hatten und wir mussten beide laut lachen. Soviel zum Thema: „Wie klein die Welt doch ist!“

 

Vorbereitungsphase

Es ging los. Wir sollten ordentlich aufgepäppelt werden! Und zwar für das Praktikum im Abgeordnetenbüro, das quasi das Herzstück des IPS` ist und nach etwas mehr als einem Monat beginnen sollte. Zahlreiche Info-Veranstaltungen, Führungen durch die endlosen Liegenschaften des Deutschen Bundestages, Einführungsseminare, Museums- und Ausstellungsbesuche prasselten hintereinander auf uns ein. Anstrengend und informativ. So informativ, dass man abends nicht mehr wusste mit welcher U-Bahn man morgens unterwegs war. Das unsere Aufnahmefähigkeit von Zeit zu Zeit überstrapaziert war fiel (un)glücklicherweise auf, so dass wir zwischendurch Kaffeepausen bekamen oder uns gesagt wurde, dass die Veranstaltung am nächsten Tag nicht Punkt 9 Uhr losging, sondern um 15 Güteminuten nach 9. Ganz stark ohrenbetäubend wurde auf Pünktlichkeit gepocht und dennoch kam ich einmal 5 Minuten zu spät, weil ich mich verfahren hatte, obwohl ich eine Stunde früher losgegangen war. Die Unterschrift auf der sogenannten Zuspätkommer-Liste hat dann echt gesessen. Naja, ein zweites Mal gab es zum Glück nicht. Während der Vorbereitungsphase wurden wir dazu ermutigt unsere Büros zu kontaktieren, was ich nicht tat, weil ich mir dachte: „Die haben eh voll viel um die Ohren, warum soll ich sie zusätzlich belästigen, noch vor meinem Praktikum?“ Dann gab es aber eine Veranstaltung, die WI 4 netterweise für uns und für die Büros organisiert hatte, um uns gegenseitig kennenzulernen. Das war toll! Das Veranstaltungsfoyer direkt an der Spree und der Imbiss waren eine perfekte Auswahl für das Zusammentreffen. Auch war ich zutiefst erfreut über die E-Mail von meinem Büro, dass zwar meine Abgeordnete aufgrund eines wichtigen Termins nicht kommen könnte, aber der für mich zuständige Mitarbeiter würde kommen.

Von Anhieb verstanden wir uns super mit meinem Mitarbeiter, der zuständig für Auswertiges und zivile Krisenprävention war. Was für ein Glück, das mich sein Arbeitsbereich faszinierte. Ich hatte mich zuvor ein wenig eingelesen, was meine Abgeordnete bereits gemacht hatte und da fiel mir auf, dass sie sich mit Ländern des Nahen und Mittleren Ostens beschäftigt hatte. So kamen wir mit meinem Mitarbeiter auf viele politische Themen, vom Afghanistan-Krieg bis hin zum NPT (Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons), wo wir einer Meinung waren. Der erste Eindruck auf meiner Seite war sehr positiv und ich hatte bereits das Gefühl, dass die Zeit im Büro eine bereichernde, lehrreiche und gegenseitig inspirative sein würde.

Es gab auch Veranstaltungen, die ich nicht so brennend spannend fand, wie zum Beispiel den Vortag in der Landesvertretung Hessen, obwohl die Begrüßung der Abgeordneten und ihr Teil des Vortages schon gut waren. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass wir vor dem Vortrag einer langen Wartezeit ausgesetzt waren. Als mühselig empfand ich auch die Treffen für das Planen der Auftaktveranstaltung und des Stipendiatenabends, weil große Gruppen nun mal die Arbeitseffizienz hemmen und man aus lauter verschiedener Meinungen nicht zu einem konkreten Plan kommt. Besonders gut gefallen haben mir hingegen die Führungen im Bundesrat, der Besuch des Deutschen Historischen Museums, die Ausstellung „Alltag in der DDR“ und der Besuch an der Berliner Mauer. Die Leute, die mit uns die Führungen gemacht haben, waren sehr kompetent und haben unsere Fragen stets detailliert beantwortet. Weniger interessant fand ich die beiden Vorträge „Erinnerungskultur in Deutschland“, „Diversität: Konflikt oder Chance?“ und den Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen. Warum? Nicht weil die Redner weniger kompetent wären, sondern weil mir die deutsche Geschichte nicht fremd ist und weil ich Diversität als Chance und Herausforderung selbst erfahren habe, als ich das Ehrenamt der Jugendvertretung im Forum für Migrantinnen und Migranten Lübeck e.V. ausgeführt hatte. Natürlich hatten die Führungen und Besuche, die mir gefielen, auch mit der deutschen Geschichte zu tun, aber hier ging es nicht um Grundkenntnisse und man hatte die Möglichkeit sich das näher anzuschauen, wo man einen vertieften Einblick haben wollte.

Interessant fand ich die Stiftungsveranstaltungen, an der jede Stiftung sich einmal präsentieren und auf unsere Fragen antworten durfte. Nur reine Vorstellung und wie die Struktur der Stiftung aussieht und welche Arbeit sie macht ist natürlich nach einer gewissen Zeit nicht mehr das, was man hören möchte. Von daher war bei den Stiftungsveranstaltungen das Highlight für mich der Besuch bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, wo man kurze aber intensive Workshops für uns organisiert hatte und wir uns aussuchen durften an welchen Thementischen wir gerne sitzen und uns das anhören möchten. Bei der FES waren nicht nur zwei Leute da, die sich um uns kümmerten, sondern ein großes Team, das sich ihre Aufgaben ganz klar aufgeteilt hatte, so dass wir einen bereichernden und strukturierten Ablauf hatten.

 

Mein Praktikum im Abgeordnetenbüro

Am 11. April machte ich mich auf den Weg ins Abgeordnetenbüro. Ich war völlig verzweifelt, was ich hätte anziehen sollen. Bloß nicht zu aufgebrezelt wirken, aber auch nicht so rüberkommen, als hätte man sich keine Gedanken über sein Aussehen gemacht. Nach langem Suchen, weil ich ja nicht wusste, wofür die Büronummer 4 819 stand, sagte man mir irgendwo zwischen 4 500 und 4 600, ich müsse das achte Haus finden. Das gelang mir schließlich und ich traf mein Büro. Meine liebenswürdige Büroleiterin empfing mich freundlich und zeigte mir meinen Arbeitsplatz, wo alles für mich bereits vorbereitet war. Sie erklärte mir, wie ich ins Intranet komme und meinen persönlichen Dienst-Account öffne und damit arbeite. Der wissenschaftliche Mitarbeiter, den ich schon kannte und der gesundheitspolitische Mitarbeiter hießen mich auch willkommen. Ganz wichtig war natürlich die Betätigung der Kaffeemaschine zu lernen. Auch hierbei und bei vielen anderen Dingen hat sich das Büro sehr geduldig und verständnisvoll erwiesen. Keine Frage war ihnen zu doof. Ob ich im Büro etwas essen darf oder die Seife benutzen darf usw. Anfangs hatte ich Angst, etwas verkehrt zu machen, mit vielen Fragen zu nerven oder einfach fehl am Platz zu sein. Das änderte sich aber sehr schnell. Die Mitarbeiter verhielten sich so, als wäre ich schon immer dabei gewesen. Manchmal kamen sogar Fragen über irgendwelche Drucksachen oder Sitzungen, die ich hätte gar nicht wissen können, weil ich damals noch nicht da war. Es machte mich froh und dankbar, so sanft gelandet zu sein und so eine familiäre Arbeitsatmosphäre zu haben. Es wurde stets gefragt, ob ich nicht zum Essen mitkomme. Dass ich aber mit so immenser Fürsorge betreut werde, hätte ich nicht erahnen können. Mir wurden Berlin-Karten ausgedruckt, auf denen besonders sehenswürdige Plätze markiert wurden, eine Liste von Ärzten in meinem Stadtteil in die Hand gereicht, Freizeitgutscheine geschenkt, eine Kasino-Karte besorgt und aufgeladen und ein Fahrrad für meinen gesamten Berlin-Aufenthalt angeboten. Außerdem wurde ich zum Eis-Essen oder anderen privaten Anlässen eingeladen.

Wie hätte man sich hier nicht wohlfühlen können? Mehr als dankbar bin ich besonders für den inhaltlichen Stoff, den ich im Büro mitbekommen habe. Ich kam mir vor wie eine richtige Mitarbeiterin, denn so hat man mich behandelt, mich ernst genommen und mich nach meiner Meinung gefragt. Alle meine Fragen hinsichtlich der Position der Linken sowie der privaten meiner Abgeordneten und der Mitarbeiter wurden mir genau erklärt. Es gab im Büro überhaupt keine langen Ungereimtheiten. Das gefiel mir sehr, dass man pragmatisch, unkompliziert und direkt gehandelt hat. Ich denke, dass das ein großes Glück für mich war, aber auch für das Büro an sich, denn nicht jedes Büro funktioniert so reibungslos, wie ich gehört habe. Neben viel Freude, hatten wir auch phasenweise viel Stress. Vor allem in Sitzungswochen, wo uns Mitarbeiter krankheitsbedingt ausgefallen sind. Das erschwerte mir die Arbeit, aber machte sie auch vielfältig und herausfordernd. So nahm ich sie an. Mal war ich die Sekretärin, mal der Postbote, mal die Haushälterin, mal die wissenschaftliche Hilfskraft und ab und zu Praktikantin. So anstrengend es manchmal war, hatte ich Spaß an meiner Arbeit und ging vor allem auf, als es um die Syrien-Rückkehrer ging. Der Unterausschuss Zivile Krisenprävention hatte schon dazu getagt und Experten angehört, aber es waren zwei Jahre vergangen und es hatte sich zwischenzeitlich viel verändert. Nun lag es an mir, diese Veränderungen im Zeitraum zwischen 2014 und 2016 hervorzuheben und einen Fragenkatalog zu erstellen. Just nach dem ich diesen Arbeitsauftrag bekam, verabschiedete sich der für mich zuständige Mitarbeiter in die Elternzeit und es kam eine Vertretung an seine Stelle.

Zunächst war ich besorgt um meinetwegen, ob ich denn genauso gut weitermachen könnte wie bislang, oder ob die Vertretung ganz anders wäre und sich nicht um mich kümmern könnte, weil sie sich erstmal selbst einarbeiten müsste. Es stellte sich heraus, dass man sich gegenseitig um einander kümmert, denn eine intensive Zusammenarbeit war zu dieser Zeit gefragt. Wie ein Wunder hat dies auch auf Anhieb geklappt. Die neue Mitarbeiterin brauchte nicht lange, um zu wissen, welchen Arbeitsauftrag sie hatte, denn sie hatte bereits jahrelange Erfahrung in der Friedensbewegung und so erwies sich ihr Einspringen als Vertretung als weitere Bereicherung für mich. Abgesehen von meiner intensiven Auseinandersetzung mit ziviler Krisenprävention habe ich auch an gesundheitspolitischen Veranstaltungen teilgenommen, zumal meine Abgeordnete die gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist. Das ist allerdings nur dem wissenschaftlichen Mitarbeiter im Bereich Gesundheitspolitik zu verschulden, weil er es geschafft hat, mein Interesse zu erwecken. Nie hätte ich gedacht, dass naiv formuliert „so viel Politik in Gesundheit steckt“. Auch hätte ich nicht gewusst, dass im Bereich Gesundheit so viele Akteure mitmischen. Pharmagesellschaften, Ärzteverbände, Arzneimittelhersteller, Apothekenverbände, Patientenvertretungen, Krankenkassen, Versicherungen, Umweltschützer, Kirchen, Schulen, Sportvereine und noch andere mehr, die mir jetzt nicht einfallen. Ich wurde belehrt, dass dieser Bereich der Politik keine Ausnahme darstellt. Auch hier gilt: „Politik ist ein schmutziges Spiel“. Alles zu schildern, was ich gelernt und erlebt habe im Praktikum, würde den Rahmen dieses Kurzberichtes sprengen. Daher kann ich nur sagen, dass ich viel gelernt und erfahren habe und zwar von allen; meiner Abgeordneten und den Mitarbeitern. Ich habe neben inhaltlichem Wissen auch erfahren, wie Büro- und Zeitmanagement funktionieren müssen, damit der/die Abgeordnete sein/ihr Amt fortführen kann. Das ist echt ein Haufen Arbeit. Der Wahlkreis ist nochmal eine andere Ebene, wo örtliche Gegebenheiten eine große Rolle spielen. Man hat die Menschen vor Ort an seiner Tür und muss sich den Belangen und Problemen der Menschen annehmen. Meine Abgeordnete besitzt die große Kunst, ihre Erfahrungen im Wahlkreis auch in Veranstaltungen hier in Berlin einfließen zu lassen. Die Podiumsdiskussion zur Gendergesundheit war ein Beispiel hierfür. Da merkt man als Zuhörer, dass sie nicht nur fundiertes theoretisches Wissen über ihre Arbeitsbereiche hat, sondern diese mit Bürgernähe und praktischen Arbeitserfahrungen untermauern kann. Ich denke, dass ist eine sehr zu lobende Eigenschaft, denn nicht alle Politiker erkennen die Lebensrealität ihrer Wähler oder Nicht-Wähler.