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Erfahrungsbericht der ersten Praktikumswoche

23. Februar 2017
Kathrin Vogler Maximilian Beike

Maximilian Beike im Berliner Büro (Foto: Kathrin Vogler, MdB)

Meine erste Woche im Berliner Abgeordnetenbüro

Mein Name ist Maximilian Beike, ich bin 22 Jahre alt und studiere Politik und Wirtschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Im Rahmen meines Bachelorstudium muss ich ein 8-wöchiges Pflichtpraktikum absolvieren. Da kam es mir sehr gelegen, dass mit Kathrin eine  amtierende Bundestagsabgeordnete aus meiner Heimatstadt Emsdetten nun in Berlin im Zentrum des politischen Geschehens sitzt. Ich probierte einfach mein Glück und schickte meine Bewerbung an ihr Berliner Büro. Kurze Zeit später erhielt ich die Einladung zu einem Kenn-Lern-Gespräch in ihrem Wahlkreis Büro in Emsdetten. Am Ende des Treffens bot Kathrin mir diese Praktikumsstelle an und nun bin ich hier und kann schon auf meine erste Woche zurückblicken.

Um ehrlich zu sein war ich am Montag ziemlich aufgeregt, als ich mich auf dem Weg zum Jakob-Kaiser-Haus machte. Wie sind meine Kollegen? Was werden wohl meine Aufgaben sein und was erwartet man von mir?

Doch die Nervosität verflog schnell, nachdem Büroleiterin Anita mich am Eingang abgeholt hatte um mich direkt in die Bürobesprechung mitzunehmen, die zu Beginn jeder Sitzungswoche ansteht. Dort traf ich dann auch direkt auf Kathrin und lernte ihre beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter Elvi und Siggi kennen. Dann ging es schon los: Was steht in der Woche an? Ich merkte gleich, wie gefragt eine Abgeordnete in einer solchen Woche ist und wie voll ihr Terminplan ist.

Mein inhaltlicher Schwerpunkt bei diesem Praktikum soll die Friedenspolitik sein. Daher nahm mich Elvi direkt unter ihre Fittiche, da Friedenspolitik unter ihre Expertise fällt. Schon am Montag durfte ich sie zunächst zum Plattformtreffen und anschließend sogar zum Unterausschuss „Zivile Krisenprävention“ begleiten. Die Plattform Zivile Konfliktbearbeitung ist ein Netzwerk von Abgeordneten, Autoren, Vertretern von NGOs etc., die sich gemeinsam dem Thema ziviler Konfliktbearbeitung widmen und in regelmäßigen Abständen Erfahrungen austauschen. Dies fand ich besonders aufschlussreich, da ich eine nicht so öffentlich bekannte Facette der Abgeordnetenarbeit  und gleichzeitig mehr zur Tätigkeit politisch aktiver NGOs miterleben konnte.

Gleich im Anschluss mussten Elvi und ich den nächsten Sitzungssaal suchen, um rechtzeitig zum Treffen des Unterausschusses zu kommen. In dieser Woche stand das Thema der Terrorismusfinanzierung auf der Tagesordnung. Auch wenn das Thema zunächst etwas komplex klingen mag, konnte ich dem Geschehen recht gut folgen und konnte ein besseres Verständnis über den Ablauf einer solchen Ausschusssitzung erlangen. Darauf war ich besonders gespannt, da mir damals im ersten Semester beigebracht wurde, dass der Bundestag in gewisser Weise ein „Ausschussparlament“ sei und ein Großteil der Arbeit und Entscheidungen zunächst dort passieren.

Der Dienstag war für mich ähnlich ereignisreich. Um 10 Uhr starteten Elvi und ich Richtung Arbeitskreis VI „Internationale Politik“ der Fraktion. Man merkte sofort, dass alle dort Anwesenden mit Leidenschaft und Freude bei der Sache sind und auch Abgeordnete und vertretende Mitarbeiter die Themen innerparteilich kontrovers diskutieren. Für das Verständnis von all dem Input war mir Elvi eine große Hilfe. Oftmals wies sie mich auf wichtige Aspekte hin und ging immer wieder sehr ausführlich auf meine Fragen ein. Dabei merkte ich auch direkt, mit wie viel Engagement sie und Kathrin Friedenspolitik gegen alle Widerstände einer immer mehr aufrüstenden Bundesregierung betreiben und welch große Erfahrung die beiden in dem Bereich mitbringen.

Kaum waren wir vom AK VI zurück in Kathrins Büro, da kam schon Boris Kanzleiter, der Direktor des Zentrums für internationalen Dialog und Zusammenarbeit der Rosa Luxemburg Stiftung, um mit Kathrin über mögliche gemeinsame Projekte zu sprechen. Schon durch meine bloße Rolle als Zuhörer konnte ich viel neues darüber erfahren, was die Stiftungsarbeit ausmacht und an welchen Punkten eine zivile Friedenspolitik ansetzen kann.

Anschließend um 14 Uhr musste Kathrin direkt zur Fraktionssitzung und hatte mich im Schlepptau mit dabei. Wir kamen gerade rechtzeitig zum Fraktionssaal im Bundestag um noch die letzten Minuten Sarah Wagenknechts obligatorischen tête-à-têtes mit der Presse live zu verfolgen. Dann folgte die Fraktionssitzung, die ich mir ehrlicherweise (trotz Warnungen aller anderen) etwas spannender vorgestellt hatte. Zum Beispiel war der Streit um die Aufteilung der begrenzten Redezeit im Plenum für mich persönlich nicht sehr ergiebig. Dennoch bin ich froh, einmal dabei gewesen zu sein und den Ablauf einer solchen Sitzung gesehen zu haben.

Am Mittwoch war ich wieder mit Elvi unterwegs. Wir besuchten ein Symposium von FONAS (Forschungsverbund Naturwissenschaft, Abrüstung und internationale Sicherheit). Dabei erfuhr ich, dass auch die Naturwissenschaft ein wichtiger Teil der Friedensforschung ist, aber zurzeit besorgt einem Nachwuchsproblem entgegenblickt. Zwar wurden dort sehr viele technische Dinge besprochen, die ich größtenteils zuvor nicht kannte, aber Elvi half mir wieder bei der Einordnung des Gehörten und machte mir auch deutlich, dass auch alles bei solchen Fachsymposien gesagte kritisch zu hinterfragen ist(, besonders wenn regierungsnahe Organisation sich zu Wort melden dürfen).

Auch der Donnerstag begann ähnlich interessant. Kathrin und Elvi nahmen mich am Morgen mit zu einem Briefing des Auswärtigen Amts für die Mitglieder des Unterausschusses „Zivile Krisenprävention“ zu den neuen Leitlinien der Außenpolitik. Dabei konnte Kathrin ihrer Hauptaufgabe als oppositionelle Politikerin nachgehen: Der Regierung ganz genau auf die Finger zu schauen. Zum Beispiel wies sie mich noch einmal darauf hin, welchen bedeutenden Effekt bereits die Sprache auf Politik hat. Wenn beispielsweise die Bundesverteidigungsministerin davon spricht, dass eine „Umfassende Vernetzung im Sinne des Weißbuchs […] keinen Antagonismus mehr von „zivil“ und „militärisch“ [erlaubt]“ (www.peacelab2016.de/peacelab2016/debatte/friedensfoerderung/article/zivil-militärisches-krisenengagement-neue-ege-gehen-alte-huerden-ueberwinden/), dann wählt sie diese Worte ganz bewusst, wenngleich sie weiß, dass diese Begriffe per Definition Antagonismen sein müssen. Sprache wird zu einem Instrument zur Verschleierung einer gezielten Vereinnahmung des BMVgs nicht-militärischer Politikbereiche mit dem Ziel einer schrittweisen Aufrüstung.

Außerdem durfte ich mich diese Woche an der ersten Beantwortung einer Frage einer Bürgerin aus dem Wahlkreis versuchen. Noch besser gefiel mir aber die Aufgabe, die von Elvi ausgearbeitete Kleine Anfrage an die Bundesregierung zur Situation der Zivilbevölkerung im umkämpften Mossul und der Beteiligung der Bundesregierung an dem dortigen Einsatz überarbeiten. Ich sollte sie ohne entscheidende inhaltliche Verluste vom Umfang kürzen und ein paar weitere Fragen an die Bundesregierung hinzufügen.

Neben der Möglichkeit, bei einer solchen Vielzahl von spannenden Veranstaltungen persönlich teilzunehmen und dazu noch lehrreichen Input zu erhalten, ist auch die unglaublich freundliche und entspannte Arbeitsatmosphäre in Kathrins Büro und in der gesamten Fraktion eine echte Freude. Auch der Umstand, dass sich alle in der Fraktion, vom MdB bis zum Praktikanten, untereinander duzen, war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber lockert das kollegiale Miteinander ungemein auf. Seit dem ersten Tag geht man fast schon freundschaftlich mit mir um und gibt mir bei allen Problemen Unterstützung. Sei es die Beschaffung eines Hausausweises oder der Umgang mit dem Intranet des Bundestages, niemand ist sich für Hilfe zu schade. Kathrins wissenschaftlicher Mitarbeiter für Gesundheitspolitik Siggi zeigte mir die Kantine des Hauses und nahm mich mit zum (fast täglichen) Mittagessen mit den Kollegen aus dem 4. Stock, die mich allesamt unglaublich offen und freundlich begegneten, wobei ein zwei Scherze mit und über den neuen Praktikanten natürlich auch nicht fehlen durften. Außerdem nahm sich Siggi am Freitag die Zeit und gab mir sehr umfangreiche Tipps zu spannende Aktivitäten für mein erstes freies Wochenende alleine in Berlin.

Nach meiner ersten Woche in Kathrins Berliner Büro kann ich auf viele neue interessante Erfahrungen und nette Begegnungen zurückblicken, die mich in der Auswahl meiner Praktikumsstelle nur bestätigen. Nun bin ich richtig gespannt, was mir die kommenden sieben Wochen hier noch so bringen werden.

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