Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Es ist normal, verschieden zu sein

Ein Thema, das Kathrin Vogler seit Beginn ihrer Arbeit als Gesundheitspolitikerin der Linksfraktion intensiv beschäftigt hat, sind ethische Fragen zur pränatalen Diagnostik. Aus diesem Grund hat die Fraktion sie als Vertreterin für Die Linke im Bundestag in die Gruppe von mehr als 100 Bundestagsabgeordneten delegiert, die in einer vier Fraktionen übergreifenden Initiative fordert, dass sich der Bundestag in einer Orientierungsdebatte ohne Fraktionsbindung mit dem Einsatz von genetischen Bluttests für Schwangere beschäftigt. Weitere Informationen und ein Kommentar dazu von Kathrin Vogler:

Kathrin Vogler hat am 12. Oktober gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus vier anderen Fraktionen des Bundestages eine Pressekonferenz gegeben, auf der die Abgeordneten die Forderung erhoben, dass sich der Bundestag in einer Orientierungsdebatte ohne Fraktionsbindung mit dem Einsatz von genetischen Bluttests für Schwangere beschäftigt. Mit diesen Tests können Chromosomenveränderungen bei Ungeborenen schon frühzeitig in der Schwangerschaft festgestellt werden. Ein Test für Trisomie 21 (Down Syndrom) befindet sich im Verfahren der Kassenzulassung, weitere Tests werden folgen. In der Perspektive wäre vorstellbar, das Blut jeder Schwangeren auf mögliche Chromosomenveränderungen beim Nachwuchs zu untersuchen. Der Schauspieler und Synchronsprecher Sebastian Urbanski, der mit dem Down-Syndrom lebt, sprach auf dieser Pressekonferenz darüber, wie sehr er und andere Betroffene sich in ihrem Lebensrecht infrage gestellt sehen, wenn ein Leben mit Down Syndrom als etwas unbedingt zu vermeidendes dargestellt wird. „Ich leide nicht. Ich lebe gern.“ Und: „Jeder Mensch in der Gesellschaft braucht manchmal Hilfe. Das ist normal.“

Kathrin Voglers Kommentar zu der aktuellen Debatte:

Entscheidungen über vorgeburtliche Gentests sind hochgradig ethisch relevant. Der Gemeinsame Bundesausschuss (Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen und Patientenvertretung) hat zu Recht darauf hingewiesen, dass er nicht über das Mandat verfügt, ethische Fragen angemessen zu diskutieren und stellvertretend für Gesellschaft und Politik zu beantworten. Der Bundestag muss als Gesetzgeber sich angesichts der rasanten Entwicklung und Etablierung dieser Tests umfassend mit den dadurch neu aufgeworfenen Fragen beschäftigen.

Die aktuell zu entscheidende Kassenzulassung des Bluttests auf Trisomie 21 (sog. Down-Syndrom) soll  meiner Ansicht nach eine Türöffnerfunktion erfüllen. Für zwei weitere Trisomien gibt es bereits Bluttests, genauso wie für weitere vier Erbkrankheiten, darunter zwei, mit denen die Betroffenen fast beschwerdefrei oder sogar ganz symptomlos leben können, denn wenn keine Anhaltspunkte vorhanden sind, wird auf molekulargenetischer Ebene auch nicht nach Normabweichungen gefahndet.

Ferner sind noch andere vorgeburtliche Bluttests bereits in der Pipeline und man muss davon ausgehen, dass in den kommenden Jahren viele weitere hinzukommen werden. Nicht über Bluttests, aber über weitere Methoden der Molekulargenetik sind in Großbritannien bereits 400 genetisch verursachte Erkrankungen diagnostizierbar. Dieses Wissen wiederum ist die Basis künftiger Bluttests und so werden in der Folge mindestens für die häufigsten genetischen Prädispositionen Tests auf den Markt drängen. Jetzt ist es noch möglich, eine gesellschaftliche Debatte darüber zu führen, ob überhaupt und - sofern ja - in welchen Fällen vorgeburtliche Gentests legitim sind. Einen gesetzlichen Rahmen dafür zu entwickeln und zu setzen, ist Gegenstand unserer interfraktionellen Initiative.

Wir müssen wegen der Entwicklung ständig neuer diagnostischer Möglichkeiten zu einer gesetzlichen Regulierung kommen, die jede Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen vermeidet. Ich bin der Auffassung, dass eine Diskriminierung bereits dort entsteht, wo eine genetisch bedingte Behinderung oder chronische Erkrankung als unbedingt zu vermeidend und das Leben von und mit Kindern mit dieser Erkrankung ausschließlich als belastend dargestellt wird. Viele Menschen mit Down-Syndrom haben mir etwa gesagt, dass sie sich ängstigen, wenn ihr Leben als nicht lebenswert dargestellt wird. Ich möchte, dass wir diese Ängste ernst nehmen und uns der Herausforderung stellen.

Auf dem Podium von links nach rechts: Kathrin Vogler MdB DIE LINKE; Rudolf Henke MdB CDU/CSU; Dagmar Schmidt MdB SPD; Corinna Rüffer MdB Bündnis 90/Die Grünen; Jens Beeck MdB FDP; Sebastian Urbanski, Schauspieler und Synchronsprecher.

Foto Podium: Marion Blitz, Büro Corinna Rüffer

 

Dateien


Publikationen