Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Kommunale Partnerschaften als Bausteine für Friedenspolitik

Kathrin Voglers Beitrag für die Augustausgabe der Onlinezeitung "Forum Internationale Partnerschaft".

Internationale Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden sind auf vielen Ebenen wirksam, um die Verständigung zwischen den Völkern zu fördern. Sie basieren meist auf historischen Beziehungen, kulturellen Berührungspunkten oder strukturellen und ökonomischen Gemeinsamkeiten. Sie können aber auch politisch wirksam werden, wie etwa das internationale Netzwerk der Bürgermeister*innen für den Frieden (Mayors for Peace). Ausgehend vom Bürgermeister der Stadt Hiroshima, die vor 75 Jahren am 6. August 1945 das erste Opfer eines vernichtenden Atombombenabwurfs wurde, wirken die in diesem Netzwerk zusammengeschlossenen fast 8.000 Städte, Gemeinden und Landkreise weltweit auf ein Ende der atomaren Drohung und die Vernichtung aller Atomwaffen hin. Warum ist das ein Anliegen für Kommunen? Eine zentrale Aufgabe der kommunalen Verwaltung besteht in der Herstellung von sicheren Lebensbedingungen für die Bewohner*innen. Dieser großen Aufgabe haben sich während der Corona-Pandemie die Kommunen mit großer Anstrengung gewidmet. Ohne funktionierende Strukturen wie Gesundheitsämter, Katastrophenschutz, Hilfsorganisationen, Polizei und Krankenhäuser, wäre eine solche Naturkatastrophe nicht zu bewältigen. Die Pandemie hat uns allen auch deutlich gemacht, wie wichtig die Prävention ist, um eine Gefahr weniger groß werden zu lassen oder sie besser bewältigen zu können. 

Ein Atomkrieg jedoch ist eine menschengemachte Katastrophe, die auch mit den besten Strukturen und den motiviertesten Einsatzkräften nicht zu bewältigen ist. Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, eine Organisation, die weltweit führend in  Bergung, Rettung, Notfallmanagement und humanitärer Hilfe ist, macht seit einigen Monaten in einer eindringlichen Video-Kampagne darauf aufmerksam, dass die Bevölkerung nach einem Atomwaffeneinsatz schutzlos ist.

Diese Gefahr bedarf daher erst recht der präventiven Gefahrenabwehr. Auch wenn Kommunen selbst keine Zuständigkeit für Außen- und Militärpolitik haben, sie haben eine Verantwortung für den Schutz ihrer Bewohner*innen vor vermeidbaren Gefahren. Und so, wie eine verantwortungsvolle Bürgermeisterin an einem unberechenbaren Flussarm Maßnahmen zum Schutz vor Überschwemmungen ergreifen wird, so ist es nur logisch, dass sie sich auch für die Prävention der atomaren Katastrophe einsetzt. Angesichts des Versagens der Regierungen der Atomwaffenstaaten, ernsthafte Schritte der Abrüstung bis zur Atomwaffenfreiheit zu unternehmen, braucht es kommunales, grenzüberschreitendes Engagement gegen den Atomtod. Eine weitere Möglichkeit dazu bietet der ICAN-Städteappell. Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), der für ihr Engagement zum Verbot der Atomwaffen 2017 der Friedensnobelpreis verliehen wurde, wirbt unter dem Titel #ICANSAVE my City für eine Erklärung, in der sich bis heute schon 96 Städte und Gemeinden, fünf Landkreise/Regionen und vier Bundesländer in Deutschland der Forderung angeschlossen haben, dass unser Land dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag beitreten soll. Auch international sind viele Städte von Washington bis Ypern und von Sydney bis Paris dabei. 

Für die Verbreiterung und Vertiefung dieser Netzwerke lassen sich auch Städtepartnerschaften nutzen, schließlich lag der Ursprung der Idee der Mayors for Peace in den Städtepartnerschaften von Hiroshima. Ein gemeinsames Anliegen, für das man gemeinsame Aktivitäten entfaltet, vertieft die Beziehungen zwischen den Kommunen und gibt ihren Bürger*innen Möglichkeiten zu ganz konkreter Beteiligung. So ist es zum Beispiel möglich, sich gegenseitig zum Flaggentag der Mayors for Peace oder zum Gedenken an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki Grußworte oder Delegationen zu schicken. Gemeinsame Aktionen im Internet, Austausch von Friedensbotschaften via Videokonferenz oder ein virtueller Friedenschor aus einer Stadt und ihren Partnergemeinden könnten das gemeinsame Engagement untermauern. 

Partnerstädte können beim Jugendaustausch oder bei kulturellen Begegnungen das Friedensthema besonders bearbeiten oder einen gemeinsamen Friedenspreis ausloben, der als Wanderpokal mal in der einen, mal in der anderen Gemeinde steht. Sie können einander einen Friedenshain schenken, in dessen Mitte ein Baum aus einem Samen aus Hiroshima steht. Sie können die Kreativität ihrer Bürger*innen einsetzen, um den Gedanken einer atomwaffenfreien Welt Realität werden zu lassen, noch bevor die letzten überlebenden Zeugen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki diese Welt verlassen haben.

 


Unsere Website: Stoppt Defender Europe 2020!

Publikationen

Kathrin Vogler