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Organspende: Zustimmung oder Widerspruch?

Die Transplantation von Organen auf PatientInnen mit meist sehr schweren chronischen Erkrankungen hat einen hohen medizinischen Nutzen. Deswegen müssen alle damit zusammenhängenden Strukturen und Prozesse beständig evaluiert und optimiert werden. Die Organspende nach dem Tod stellt nicht nur auf individueller Ebene einen Akt der Solidarität dar, sondern ist ferner ein wertvoller Dienst an der Gesellschaft. Die erste Debatte dazu im Bundestag findet am Mittwoch, 28.11.2018 ab 13 Uhr, statt. Ich arbeite in einer fraktionsübergreifenden Gruppe von Abgeordneten, die sich für einen Gesetzesentwurf stark macht zur Verbesserung der Information, Beratung und Dokumentation der Organspende.

Obwohl die Skandale bei der Zuteilung gespendeter Organe, die vor einigen Jahren öffentlich wurden, das Vertrauen in das System der Organtransplantation erschüttert hat, ist die Bereitschaft, Organe nach dem eigenen Tod zu spenden, weiter gestiegen. Noch nie hatten so viele Menschen einen Organspendeausweis wie heute. Genau in dem Zeitraum, in dem die Medien über diese Skandale berichteten, hat sich trotzdem der Anteil der Menschen mit Organspendeausweis von 22% im Jahr 2012 auf 32% im Jahr 2016 erhöht.

Doch diese positiven Zahlen werden ganz offensichtlich durch gravierende Mängel im System der Organtransplantation konterkariert. Betrachtet man jenseits der erklärten Spendenbereitschaft, die von keiner Stelle zentral erfasst wird, alle auf den Hirntod diagnostizierten Verstorbenen, so wurden nach 5,4% im Jahr 2010 dann 2015 nur noch von 3,2% der Verstorbenen Organe zwecks Transplantation entnommen.

Ganz offensichtlich gibt es große Optimierungspotentiale, was sowohl die freiwillig erklärte Spendenbereitschaft, aber vor allem was die verschiedenen Prozesse anbelangt. Trotz dieser Fakten warf Gesundheitsminister Jens Spahn im Sommer eine alte, nach langer und kontroverser Diskussion entschiedene Frage abermals auf: Er behauptete, dass mit einer Abkehr von der bisherigen Entscheidungslösung hin zu einer Widerspruchsregelung das Hauptproblem bei der Organspende gelöst sei. Dadurch könnten mehr Transplantationen durchgeführt werden, um so den ca. 10.000 Menschen auf der Warteliste zu helfen.

Gegen die Widerspruchsregelung gibt es jedoch gute Argumente. Ein so schwerwiegender Eingriff in die Selbstbestimmung muss mindestens zwei Kriterien erfüllen, um vom Standpunkt der Grundrechte aus gerechtfertigt zu sein: er muss notwendig und geeignet sein, das hohe gesellschaftliche Ziel, nämlich die bessere Versorgung Schwerkranker mit Spendeorganen, zu erreichen. An beiden Kriterien gibt es erhebliche Zweifel. Vergleiche mit dem europäischen Ausland belegen, dass die Zahl von Organspenden nicht entscheidend davon abhängt, ob es eine Zustimmungs- oder Widerspruchsregelung gibt. Vielmehr entscheiden die Organisation der Organspendeprozesse und die Form, in der die Menschen ihre Haltung zur Organentnahme dokumentieren können, darüber, wieviel Organe letztlich zur Transplantation gelangen.

Bevor nicht diese Probleme in den Entnahmekrankenhäusern ausgeräumt sind, von denen zum Beispiel viele keine ausreichenden Ressourcen zur Identifikation potentieller Organspender und zur Feststellung des Hirntods haben, muss die Notwendigkeit einer Widerspruchsregelung bezweifelt werden. Da die Einführung der Widerspruchsregelung zudem in mehreren Ländern zu einem Rückgang der Organspenden geführt hat, kann diese auch nicht als geeignet gelten.

Daher setze ich mich in einer fraktionsübergreifenden Gruppe von Abgeordneten für einen Gesetzesentwurf zur Verbesserung der Information, Beratung und Dokumentation der Organspende ein. Die erste Debatte dazu findet im Bundestag am Mittwoch, den 28.11.2018 ab 13 Uhr statt.

 


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