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Einspruch zur Widerspruchsregelung!

Ende November fand im Bundestag eine Orientierungsdebatte statt, die eine interfraktionelle Regelung zur Organspende vorbereiten soll. Dabei habe ich neben drei Dutzend anderen Redner*innen das Wort ergriffen und meine Positionen deutlich gemacht.

Wenn Menschen sich dazu entschließen, mit der Transplantation eines oder mehrerer Organe diese anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, üben sie ganz praktische Solidarität, die weit über das eigene Leben hinausreicht.

Diese Solidarität ist weiter und stetig gewachsen: 32% der Menschen besaßen im Jahr 2016 einen Spendenausweis, 2012 hingegen erst 22%. Stark angestiegen ist auch der Anteil der Verstorbenen, die das Entnahmekriterium Hirntod erfüllen. Dem Mehr an möglichen Spender*innen steht jedoch gegenüber, dass der Anteil der realisierten Organspenden seit 2010 um fast ein Drittel gesunken ist. Nur 8,2% der nach medizinischen Kriterien in Frage kommenden möglichen Spender*innen werden überhaupt von den Krankenhäusern an die zuständige Stelle weiter gemeldet.

Angesichts dieser Zahlen bin ich mehr als verwundert darüber, dass Gesundheitsminister Jens Spahn überhaupt die Scheinlösung einer Widerspruchsregelung in die Debatte gebracht hat. Das Problem liegt nicht in der Bereitschaft der Menschen, sondern in einem auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Gesundheitswesen - wovon der Gesundheitsminister leider nichts hören will. Aber selbst in diesem ist es möglich, die organisatorischen und technischen Abläufe in den Kliniken und die Information und Beratung zur Organspende ganz konkret mit einer Vielzahl an Einzelmaßnahmen zu verbessern, wofür ich mich einsetze. Darin sehen auch etablierte Wissenschaftler*innen und leitende Klinikärzt*innen übereinstimmend die größten Potentiale.

Wir dürfen zwischenmenschliche Solidarität nicht durch staatliche Bevormundung gefährden. Als eine der Initiatorinnen einer interfraktionellen Gesetzesnovelle werde ich die Debatten um das Transplantationsgesetz genau unter diesem Leitsatz begleiten. Dabei werde ich vehement darauf drängen, alle Potentiale und Optimierungen auszuschöpfen.

 


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