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Wir haben immer noch die Chance, zu lernen, zu verstehen und zu handeln! 8. Mai 2019: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Heute morgen nahm Kathrin Vogler an der Gedenkveranstaltung am sowjetischen Ehrenmal im brandenburgischen Wildau teil. Wir dokumentieren ihre Gedenkrede.

Das deutsche Regime des Faschismus, seine Menschenverachtung, seine Machtgier, sein Expansionsstreben und seine unfassbare Brutalität entfachten den Zweiten Weltkrieg.

In Deutschland fielen den faschistischen Mördern 13 Millionen Menschen zum Opfer:

  • Sechs Millionen jüdischer Menschen
  • Kriegsgefangene, Roma und Sinti, Homosexuelle
  • Euthanasie-Opfer
  • Sowjetische Kriegsgefangene
  • Kommunisten, Sozialisten
  • Christen, Pazifisten
  • Gewerkschafter und viele andere.

Allein in der Sowjetunion starben 27 Millionen Menschen.

Sieben Millionen waren Zivilisten, Frauen, Männer, Alte und Kinder.

Die Zahl der Opfer des Zweiten Weltkrieges wird auf bis zu 80 Millionen Menschen geschätzt.

Das ist in etwa die Einwohnerzahl Deutschlands heute.

Am 8. Mai vor 74 Jahren endete dieser Krieg in Europa und die Welt blickte auf das Grauen, das Leid und die Verwüstungen, die zwölf Jahre Faschismus angerichtet hatten.

Kann es Worte geben, die den Schrecken dieser Zeit beschreiben?

Kann es einen angemessenen Dank für die Menschen und Völker geben, die unser Land, unseren Kontinent, von der Geißel des Faschismus befreit haben, unter extremen Opfern und unter gewaltigen Anstrengungen?

Und was haben wir gelernt aus dem Blutbad, aus den Verbrechen, aus dem organisierten Massenmord?

Zwingend ist der antifaschistische und antimilitaristische Imperativ der Überlebenden:

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Bis heute hatten wir 74 Jahre Zeit, zu verstehen und zu lernen.

Aber die Bilanz dieser Zeit ist niederschmetternd:

Deutschland führt wieder Krieg in aller Welt - zurzeit ist deutsches Militär in 13 Ländern im Einsatz.

An den osteuropäischen Grenzen und am Schwarzen Meer zündelt die Bundeswehr gemeinsam mit den USA und der NATO an einem militärischen Konflikt mit Russland.

Die Bundesregierung hat 2018 über 44,4 Milliarden Euro für Militär und Krieg ausgegeben, so viel wie seit der Wiederbewaffnung in den 1950er Jahren nicht mehr.

Und bis 2025 soll die Kriegskasse auf jährlich bis zu 55 Milliarden Euro aufgestockt werden.

Wichtige internationale Abrüstungsverträge sind aufgelöst oder stehen auf der Kippe, wie der INF-Vertrag, der uns von einer Atomwaffen-Generation befreite, die entwickelt worden war, um Europa in ein atomares Schlachtfeld zu verwandeln.

Nun steht uns ein neues atomares Wettrüsten bevor, aber die Bundesregierung hält weiter fest an der atomaren Teilhabe und lässt die Bundeswehr in Büchel fast täglich den Abwurf von Atombomben trainieren.

Die Doomsday Clock, die Weltuntergangsuhr der US-amerikanischen Atomwissenschaftler steht in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge auf zwei Minuten vor zwölf.

So gefährlich war die Lage nicht mehr seit dem Korea-Krieg 1953, auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs.

Statt „Nie wieder Krieg“ heißt es nun „Nie wieder Krieg ohne uns“

Und statt Nachbarschaft in einem gemeinsamen Haus Europa wird Russland wieder zum Feindbild stilisiert und militärisch bedroht.

Daran dürfen wir uns nicht „gewöhnen“!

Und durch unsere Städte marschiert inzwischen wieder die Niedertracht.

Sie trägt ganz offen und meist unbehelligt von Ordnungsamt und Polizei die Symbole des Hitler-Faschismus und brüllt seine Parolen.

Rassismus, Menschenhass, Demagogie und Verachtung der Demokratie werden wieder hoffähig gemacht, nicht nur bei uns:

In vielen europäischen Ländern und auch in den USA sitzen die Demokratie- und Menschenfeinde in den Parlamenten oder sind sogar an der Regierung.

Statt „Nie wieder Faschismus“ heißt es nun “das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“

Nein. Das darf man nicht. Den Faschismus als „Vogelschiss in der deutschen Geschichte“ zu verharmlosen, die Soldaten der Wehrmacht und der Reichswehr zu loben und stolz die erste Strophe des Deutschlandlieds zu singen – das sind keine „Dummheiten“, keine „Geschmacklosigkeiten“, sondern Unsäglichkeiten!

Haben wir die Chance vertan, zu lernen, zu verstehen und so zu handeln, dass Nazismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit nie wieder unsere Gesellschaft vergiften?

Es gibt Menschen, die sich erinnern, die die richtigen Schlüsse ziehen, aus der Geschichte und den Verwerfungen der Gegenwart.

Das sind die Menschen, die in Deutschland und überall auf der Welt dafür kämpfen,

  • dass Konflikte mit politischen Mitteln und Diplomatie beigelegt werden,
  • dass keine Waffen mehr in Kriegsgebiete geliefert werden,
  • dass ihre Länder dem Atomwaffenverbotsvertrag der UNO beitreten und alle Atomwaffen abgeschafft werden
  • dass alle Menschen in demokratischen Verhältnissen, in Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit, mit einer guten Gesundheitsversorgung und guter Bildung leben können
  • dass die Ausbeutung, Militarisierung und Instrumentalisierung der Länder des globalen Südens gestoppt wird
  • dass eine wirkliche, zivile und ausgleichende, Entwicklungszusammenarbeit dafür sorgt, dass niemand mehr vor Krieg, Armut, Elend und Verzweiflung fliehen muss.

Es ist immer noch Zeit …

… zu lernen

… zu verstehen

… und zu handeln!

Unsere Generation trägt keine Schuld an dem, was geschah. Es ist aber unsere Verantwortung, dafür zu sorgen, dass es nie wieder geschieht!

 


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