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Ziviles Peacekeeping - Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten mit gewaltfreien Mitteln

„Gewaltfreie Konfliktbearbeitung in der Praxis“ war das Thema des gestrigen Parlamentarischen Frühstücks im Reichstagsgebäude, zu dem Kathrin Vogler die Direktorin der Nonviolent Peaceforce, Tiffany Easthom, eingeladen hatte.

„Gewaltfreie Konfliktbearbeitung in der Praxis“ war das Thema des gestrigen Parlamentarischen Frühstücks, zu dem Kathrin Vogler die Direktorin der Nonviolent Peaceforce, Tiffany Easthom, eingeladen hatte.

Seit vielen Jahren entsendet die Non-Profit-Organisation „Nonviolent Peaceforce“ (NP) unbewaffnete ausgebildete Fachkräfte in Krisen- und Kriegsgebiete. Sie engagiert sich darüber hinaus dafür, die zivile Konfliktbearbeitung als konkretes Handlungskonzept zur Vermeidung und Überwindung gewaltvoller Konflikte in das Bewusstsein der Zivilgesellschaften und auf die Agenda der internationalen Politik zu bringen. Für ihre Arbeit wurde die NP im Jahr 2016 für den Friedensnobelpreis nominiert.

Tiffany Easthom berichtete im Rahmen des Parlamentarischen Frühstücks den anwesenden Bundestagsabgeordneten, Mitarbeiter*innen und Vertreter*innen verschiedener Fachverbände der zivilen Konfliktbearbeitung, sehr anschaulich von der anspruchsvollen Arbeit in Krisengebieten. Sie selbst ist als Expertin für gewaltfreie Konfliktbearbeitung seit vielen Jahren u.a. im Irak, im Südsudan, in Sri Lanka, Uganda und Indonesien tätig und konnte in anschaulichen Beispielen darlegen, wie erfahrene Friedensfachkräfte die Bevölkerung bei der gewaltfreien Austragung ihrer Konflikte unterstützen. NP-Mitarbeiter*innen beschützen Frauen in Flüchtlingslagern, wenn sie, zum Beispiel um Brennholz zu holen, die Schutzzonen verlassen müssen; sie überwachen Waffenstillstände, moderieren Friedensverhandlungen und gehen mit gezielter - auch medialer - Aufklärungsarbeit gegen Desinformations- und Hetzkampagnen vor.

Das Zivile Peacekeeping, im Englischen auch als ‚Unarmed Civilian Protection‘ (UCP) bezeichnet, hat inzwischen Eingang in eine Reihe von UN-Dokumenten gefunden. Im letzten Jahr hat sich auch die Bundesregierung in den Leitlinien „Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“ dazu bekannt, dass sie „die Weiterentwicklung ziviler Ansätze […] insbesondere Ziviles Peacekeeping als erprobte Methodik, um Menschen vor Gewalt und schweren Menschenrechtsverletzungen zu schützen“ unterstützen will.

Aber da Deutschland außenpolitisch weiterhin auf Kriegskurs ist, hat die zivile Konfliktbearbeitung hier bisher nur eine geringe Chance, ihr alternatives friedenspolitisches Potential zu entfalten. Dass es sich aber trotzdem lohnt, für eine nichtmilitärische, gewaltfreie Außenpolitik zu kämpfen, veranschaulichten abschließend Christine Schweitzer (Bund für Soziale Verteidigung), die aus wissenschaftlicher Perspektive über Erfolge und Lessons Learned des Unbewaffneten Zivilen Peacekeepings sprach, und Andreas Dieterich (Brot für die Welt), der skizzierte, was eine deutsche Friedens- und Außenpolitik von diesem Ansatz lernen und umsetzen kann.

Foto: Parlamentarisches Frühstück zum Thema „Ziviles Peacekeeping“ gestern im Fraktionssaal der Partei Die Linke. in Berlin; von links: Kathrin Vogler, Mitglied des Deutschen Bundestages, Andreas Dieterich (Referent für zivile Konfliktbearbeitung bei Brot für die Welt), Christine Schweitzer (Bund für Soziale Verteidigung) und Tiffany Easthom (Nonviolent Peaceforce).

Einen Kurzbericht über die aktuelle Vortragsrundreise von Tiffany Easthom in Deutschland hat der Bund für Soziale Verteidigung auf seine Homepage gestellt. 


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