Leiharbeit
Frage eines Bürgers zum Thema Leiharbeit
Als Bundestagskandidatin der LINKEN habe ich zur Leiharbeit eine klare Position: Meiner Ansicht nach gehört diese moderne Form der Sklaverei weitgehend abgeschafft!
Ich erinnere mich noch daran, als mir das Arbeitsamt zum ersten Mal eine Leiharbeitsstelle anbot. Nachdem ich zuvor ein Büro mit mehreren Angestellten geleitet hatte, wollte man mich dort als qualifizierte Sekretärin "anbieten", aber als Bürohilfskraft bezahlen. Urlaub, Lohnfortzahlung, Sozialleistungen - alles war weit unterhalb der üblichen Standards. Nicht mal den Einsatzort hätte ich vorher erfahren. Das war 1994. Heute ist diese Sauerei alltägliche Erfahrung fast aller Menschen, die sich von der Arbeitsagentur die Vermittlung einer Stelle erhoffen. Im SIS der AA gibt es kaum noch echte Stellen, nur noch Leiharbeitsfirmen.
So manche Firma beschäftigt schon mehr LeiharbeiterInnen als Stammpersonal.
Die Folgen:
- Die Belegschaften werden gespalten in "feste" und "geliehene" MitarbeiterInnen. Die Arbeitnehmervertretungen werden geschwächt.
- In einem Betrieb gibt es für ein und dieselbe Tätigkeit bei gleicher Qualifikation unterschiedlichste Löhne und Sozialstandards. Oft darf noch nicht einmal darüber gesprochen werden. Das untergräbt die Solidarität der Beschäftigten und die Möglichkeiten, sich gegen Verschlechterungen oder Arbeitsplatzabbau gemeinsam zu wehren.
- Dumpinglöhne im Leiharbeitssektor wirken auf den gesamten Arbeitsmarkt. Die Löhne sinken, damit sinken auch Rentenansprüche und die Einnahmen der Sozialkassen. Das führt zur Verelendung von immer mehr Menschen, die trotz Vollzeitarbeit arm sind und zur immer tieferen sozialen Spaltung in der Gesellschaft.
- Immer mehr Menschen haben keine sichere Arbeitsperspektive. Nicht zu wissen, wo man morgen arbeitet und ob es sich überhaupt lohnt, zu den Kolleginnen und Kollegen persönliche Kontakte aufzunehmen, entmenschlicht die Arbeitswelt und entwurzelt die Menschen. Stress, Mobbing und Krankheiten sind die Folgen.
So lange wir die vollständige Abschaffung der Leiharbeit noch nicht durchgesetzt haben, müssen wir alles tun, um sie zu begrenzen und sozialer zu gestalten.
Das könnten folgende Schritte sein:
- Gleicher Lohn, gleiche Sozialleistungen für alle, die in einem Betrieb arbeiten - egal ob direkt angestellt oder "überlassen".
- Zeitliche Begrenzung der Leiharbeit mit anschließender Verpflichtung zur Festeinstellung
- Einbeziehung der LeiharbeiterInnen bei den Betriebs- oder Personalratswahlen durch Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes
- Fahrtkosten durch die Einsatzwechseltätigkeit sind zu erstatten
- Räumliche Begrenzung des Einsatzgebietes
usw.
Erst dann, wenn Leiharbeit für die Unternehmen deutlich teurer ist als Festanstellung, werden sie sie auch wirklich nur noch für kurzfristige Auftragsspitzen nutzen. Dann werden sie auch wieder Stammpersonal einstellen.
