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Ein Kommentar

Doktorspiele bei der Union-

Dieter Jasper verliert Titel und Glaubwürdigkeit

 

Wir erinnern uns noch an den Bundestagswahlkampf im Wahlkreis 129. Der smarte und immer lächelnde "Dr." Dieter Jasper von der CDU schlug seinen sozialdemokratischen Kontrahenten Dr. Reinhold Hemker um Haaresbreite und zog stolz in den Bundestag ein.

 

Wirtschaftskompetenz und Menschlichkeit waren die Werte, die er im Wahlkampf von sich präsentierte. Schon seine Jungfernrede am 4. Dezember 2009 ließ gewisse Zweifel an Ersterem aufkommen. Wer an dieser Stelle genau aufgepasst hatte (und ich muss gestehen, so genau habe ich nicht aufgepasst), dem konnte schon da auffallen, dass der Bundestagspräsident beim Aufruf des Redners Jasper den Doktortitel wegließ. Ein vermeintlicher Fauxpas, der dem überaus korrekten Dr. Lammert nicht aus Zufall unterlaufen würde.

 

Lammert wusste da also schon, was die Wählerinnen und Wähler im Kreis Steinfurt erst Anfang Februar 2010 erfahren sollten: Dieter Jasper hat gar keinen Doktortitel. Was er hat, ist ein teuer erworbenes Papier einer "Freien Universität Teufen", eines Instituts, das auch in der Schweiz nicht berechtigt ist, akademische Grade zu verleihen. Im WDR windet sich Jasper auf die Frage, was das denn gekostet habe. Aber es sei schon sehr teuer gewesen, einige Tausend Euro.

 

Jasper, der seine Wirtschaftskompetenz unter anderem durch seine Tätigkeit bei der Unternehmensberatung Kienbaum erworben haben will, mimt nun selbst den Betrogenen. Dass er einer "Titelmühle" aufgesessen ist, die Titel ohne Wert verkauft, zeugt nun nicht gerade von Kompetenz. Dass er seinen angeblichen Irrtum nicht sofort vor den Wählerinnen und Wählern bekannte, sondern versuchte, klammheimlich den peinlichen Doktor abzustreifen, spricht nicht für Glaubwürdigkeit.

 

Aber es ist ja nicht nur Jasper. Die Union hat da ein offenbar größeres Problem. So musste 2005 der Bundestagsabgeordnete Andreas Scheuer (CSU) seinen bisher geführten Doktortitel aus Tschechien in einen PhDr. korrigieren. 2006 wurde das bayrische Recht so geändert, dass er sich wieder ganz legal mit dem Doktortitel schmücken darf - inzwischen in seiner neuen Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär.

Im Jahr 2006 wurde der CDU-Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus, Mario Czaja, als Blender mit gefälschtem Diplom (ebenfalls aus Teufen) enttarnt - was allerdings seiner Karriere keinerlei Abbruch tat. Im Oktober 2007 erfand Kai Schürholt, CDU-Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Landau/Pfalz, schlicht einen Doktortitel. Januar 2009 enttarnte die BILD-Zeitung die Hamburger CDU-Politikerin Allessandra Venda do Rosario als Titelbetrügerin. Im Juni des selben Jahres entzog die juristische Fakultät der Uni Göttingen dem lippischen CDU-Politiker Andreas Kasper wegen Plagiats seinen Doktortitel - inzwischen wurde Kasper zu einer Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt. Im Juli 2009 flog der thüringische CDU-Mann Niels Neu als falscher Doktor auf. Ende 2009 diskutierte die Öffentlichkeit über die Doktorarbeit von Kristina Köhler, CDU-Familienministerin, die sich anscheinend ausführlich vom Mitarbeiter ihres Doktorvaters gegen Honorar helfen ließ.

 

Auch, wenn es in der Union so erscheinen mag - Titelmissbrauch ist kein Kavaliersdelikt. Nach §32a STGB handelt es sich um eine Straftat. Allerdings ist bekanntermaßen auch Steuerhinterziehung strafbar. Ich warte noch auf das Angebot einer CD mit der Kundendatei einer Titelmühle. Allerdings kann ich dafür nichts bezahlen - sonst hätte ich sicher schon längst einen Doktortitel!

 

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