Der öffentliche Gesundheitsdienst braucht einen Paradigmenwechsel

Medien-Echo
Kathrin VoglerBundestagThemen

Es braucht einen politisch konsentierte Nationale Public Health-Strategie. Alle bisher im Bereich gesundheitliche Aufklärung arbeitenden Akteure fordern dies und eine besser vernetzte Gesamtstruktur. Expert*innen sind sich einig: Karl Lauterbachs neues „Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM)“ ist keine Lösung.

 

Deutschland hat heterogene, über Jahrzehnte gewachsene Public Health-Strukturen. Das Zukunftsforum Public Health berichtet für 2022 von 60 Fachgesellschaften und Berufsverbänden, 49 Nichtregierungsorganisationen und 40 staatlichen Akteuren: "Eine Koordination ist von höchster Dringlichkeit und bedarf eines abgestimmten und konzertierten Vorgehens. Eine politisch konsentierte Nationale Public Health-Strategie fehlt dafür bisher, wenngleich bereits Eckpunkte für deren Umsetzung vom Zukunftsforum Public Health vorgelegt wurden."

Karl Lauterbach hatte im Oktober ein Konzept für ein neues Bundesinstitut vorgestellt, das am 01.01.25 unter dem Namen „Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM)“ seine Arbeit aufnehmen soll. Seit dem gibt es erhebliche Kritik an diesem Vorhaben. Die bisherige Verbände und Institutionen seien übergangen worden, die Zielgruppen seien zu eng gefasst (Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz) und die eigentliche Aufgabe, Menschen in allen Lebensaltern und -bereichen gesundheitliche Aufklärung zuteil werden zu lassen, sei so nicht umsetzbar.

Die FAZ hat sich am 21.11.2023 des Themas angenommen (Kritik an Lauterbachs Umbauplänen, Bezahlschranke) und auch Kathrin Vogler nach ihrer Einschätzung gefragt:

Kathrin Vogler: Die Missstände seien aufgrund mangelhafter Kooperation zwischen Gesundheitssystem und öffentlichem Gesundheitsdienst groß, sagt Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion – auch werde viel Geld für Medizin, wenig jedoch für Gesundheitsförderung ausgegeben, und Krankheitsrisiken würden zu wenig erforscht. „Das anzugehen erfordert mehr als ein neues Institut, nämlich nicht weniger als einen Paradigmenwechsel“, sagt sie. Armut sei der wichtigste Risikofaktor für Krankheit und vorzeitigen Tod. „Das zu ändern muss im Mittelpunkt aller Aktivitäten stehen, wenn wir an dem mittelmäßigen Abschneiden Deutschlands bei Krankheit und Lebenserwartung wirklich etwas ändern wollen.“

 

Foto: Vita Adam