23. bis 26. Mai 2012
Bei strahlendem Sonnenschein kamen fast 50 interessierte Menschen aus dem Münsterland zu einem Besuch des politischen Berlins in der Bundeshauptstadt an.
Auf dem Weg vom Bahnhof gab es einen ersten Stopp an der Bernauer Strasse. Hier steht noch ein Mauerstreifen und von einem Aussichtsturm kann man sich ein vages Bild von der Teilung Berlins in Ost und West machen.
Erster Programmpunkt war ein Gespräch mit Kathrin Vogler, die die Gruppe eingeladen hatte, damit ein jeder ein bisschen besser verstehen möge, wie der Arbeitsalltag einer Abgeordneten aussieht.
Leider machte der Terminkalender der Gruppe einen kleinen Strich durch die Rechnung - die Bundesregierung hatte eine Befragung zum Thema Patientenrechte angesetzt. Als stellvertretende Vorsitzende des sich mit diesem Thema befassenden Gesundheitsausschusses nahm Kathrin Vogler diesen wichtigen Termin natürlich wahr, da sie einige Fragen an die Regierung hatte.
Kathrin Vogler kam somit nur für kurze Zeit dazu, davor aber informierte ihr Wissenschaftlicher Mitarbeiter Marek Voigt ausführlich über die allgemeinen Arbeiten und die speziellen Themen, die derzeit u.a. im Unterausschuss für Zivile Krisenprävention besprochen werden.
Weiter ging es zum Wannsee - auch wenn das Wetter zum Baden einlud, stand für die Gruppe ein Besuch im Haus der Wannseekonferenz an. Hier verhandelten am 20. Januar 1942 fünfzehn Spitzenbeamte verschiedener Reichsministerien und der SS über die organisatorische Durchführung der bereits getroffenen Entscheidung, die Juden Europas in den Osten zu deportieren und zu ermorden. Es gab eine sehr aufschlussreiche Führung durch die Ausstellung, die zu interessanten Diskussionen auch noch beim anschließenden Abendessen sorgte.
Der nächste Tag startete mit der jüngeren deutschen Geschichte. Der "Tränenpalast" bekam seinen Namen im Volksmund, da sich hier viele Ostberliner unter Tränen von ihren West-Besuchern verabschieden mussten. Eigentlich war es die Ausreisehalle des Bahnhofs Friedrichstrasse. Ein sehr anschaulicher Ort, der die Gefühle von "Grenzerfahrung" sehr eindringlich zeigt.
Nachdem die jüngere Geschichte ein Gefühl der Freude über die überwundene Teilung des Landes hinterließ, wurde es im ehemaligen Zwangsarbeiterlager der NS sehr bedrückend.
Das Lager Schöneweide war eines von über 3000 Lagern im Berliner Stadtgebiet. Das 3,3 ha große Areal umfasste 13 Unterkunftsbaracken aus Stein sowie eine in der Mitte gelegene Wirtschaftsbaracke. Geplant war das Lager für 2160 Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, wurde aber nicht vollständig belegt. Hier waren über 400 italienische Zwangsarbeiter, darunter Militärinternierte, sowie zivile Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus verschiedenen Ländern untergebracht.
Eine recht gut erhaltene Baracke wurde besichtigt und verschaffte so einen kleinen Einblick in das Leben unter unmenschlichen Bedingungen dort.
Bei einer ausführlichen Stadtrundfahrt ging es an vielen bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei. Für diejenigen, die zum ersten Mal in Berlin waren, war es prima, all das mal von Nahem zu sehen, was sonst oft im Fernsehen gezeigt wird. Aber auch die Berlin-Kenner entdeckten immer noch was Neues. Denn die Stadtrundfahrt führte auch zu scheinbar "unbedeuteren" Plätzen und Gebäuden, die aber auch zur Berliner und deutschen Geschichte dazu gehören.
Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des Bundesgesundheitsministeriums. Es gab in einen Vortrag viele Informationen über die Behörde, die Aufgaben und die aktuellen Themen, mit denen sich der Gesundheitsminister zur Zeit beschäftigt.
Als die Gruppe sich über das Projekt Arbeiten in der Altenpflege informierte, trat kurzzeitig Daniel Bahr, derzeitiger Gesundheitsminister, zur Gruppe hinzu. Er kam gerade von der Debatte im Bundestag zur Neuregelung der Organspende. Kathrin Vogler begründete dabei ihre Haltung, warum sie eine Verankerung der Bereitschaft auf der Gesundheitskarte ablehnt.
Zum Abschluss des Besuchsprogramms ging es in das Medizinhistorische Museum der Charité. Schon die Geschichte des größten Berliner Krankenhauses ist faszinierend; noch mehr aber die Geschichte der Medizin in Forschung und Lehre. Genau dies wird in der Dauerausstellung gezeigt.
Damit ging eine interessante Bildungsfahrt ins politische Berlin zu Ende, die viele neue Erkenntnisse brachte und einige Teilnehmer sicher noch öfters zum Nachdenken anregt.











