Taubenstraße – Aufruf des Offenen Antirassitischen Treffen (OAT) zur Demo am 15.03.2014
Deutschlandweit steht die Fleischbranche in Verruf und das nicht ohne Grund.
Wanderarbeiter_innen aus Osteuropa sind in Schlachthöfen und Zerlegebetrieben
längst Mehrheit. Ihre Arbeitsbedingungen und Löhne sind miserabel. So auch in
Emsdetten: Die Firma „Fine Food“ gab Teile des Betriebes in die Hände von
Subunternehmer_innen, womit die Firma selbst nicht mehr die Verantwortung für
die dort Beschäftigten trägt. Die Arbeitsbedingungen in diesen Subunternehmen
sind verheerend: 10-18 Stunden-Schichten, minimale Löhne, keine Arbeitsverträge
und Krankenversicherungen, mangelde Schutzkleidung, völlige Isolation von der
Außenwelt. Die Betriebsräte sind machtlos – dürfen sich nicht einmischen
Tägliche Schikane und die Vereinzelung der Betroffenen schaffen ein System der
Angst, aus dem sie sich meist selbst nicht mehr befreien können. Der Gang zum
Rathaus und zum Krankenhaus wird untersagt, eine Verbindung zur „Außenwelt“
somit weiter verunmöglicht. Wer Probleme hat oder macht, wird einfach in einer
Nacht- und Nebelaktion zurück ins Heimatland gebracht.
Unmenschliche Wohnverhältnisse
Nicht nur die Arbeitsbedingungen, auch die Wohnverhältnisse der Arbeiter_innen
sind menschenunwürdig. Es gibt bis heute keine Erklärung zu den
Mietverhältnissen – Mietverträge sind nicht vorhanden und bisher wurden hierfür
zum Teil unbekannte Beträge von den bar ausgezahlten Löhnen abgezogen. Bis zu 14
Menschen leben in kleinen 3-Zimmer-Wohnungen, schlafen teilweise zu zweit in
einem Bett. Dabei sprechen die Betroffenen häufig nicht einmal die gleiche
Sprache – soziale Konflikte sind absehbar und vorprogrammiert.
Ausbleibende Löhne
Vor einiger Zeit hat ein Subunternehmen von „Fine Food“ Insolvenz angemeldet und
für beinahe zwei Monate wurden keine Gehälter gezahlt. Die Arbeiter_innen
konnten sich nicht mehr selbst versorgen und waren auf Lebensmittel- und
Sachspenden durch Außenstehende angewiesen. In Zusammenarbeit mit der Tafel, der
Initiative „Bürgerinnen und Bürger für Humanität und Bleiberecht“ und durch
private Spenden hat das Offene Antirassistische Treffen Emsdetten den Bedarf an
Nahrungsmitteln größtenteils decken können. Doch das kann und darf keine
Dauerlösung sein.
Neue Verträge – Weiterhin prekäre Arbeitsverhältnisse
Die neuen Arbeitsverträge sind laut NGG teilweise rechtswidrig. Weiterhin
bestehen prekäre Arbeitsverhältnisse und die Verträge erlauben den
Arbeitgeber_innen, willkürlich über die Arbeiter_innen zu verfügen.
So kann der Arbeitgeber, ohne Angabe einer Frist, Arbeiter_innen in ganz
Deutschland stationieren und von heute auf morgen kann jede_r
Werkvertragsarbeiter_in davon betroffen sein. Wenn sich die neue Firma und
Sprehe damit brüsten, dass der gezahlte Lohn sogar über dem Mindestlohn liege,
sollte mensch dazu sagen, dass das nur zutrifft, wenn „Anwesenheitsprämie“ und
Akkordprämie“ generell hinzugerechnet werden. Außerdem wurde uns berichtet, dass
noch immer viel zu lange Schichten übernommen werden müssen und dass weiterhin
dubiose Drohungen und „Verhaltensstrafen“ durch den Vorarbeiter getätigt werden.
Die Demonstration:
Das Offene Antirassistische Treffen [OAT] und die Bleiberechtsgruppe aus
Emsdetten planen daher am 15.03.2014 eine Solidaritätsdemonstration in
Emsdetten. Die Demo startet um 15:00 Uhr am Bahnhof und wird am Wohnblock an der
Taubenstraße mit einer Kundgebung, veganem Essens- und Getränkestand und Musik
enden. Die Route wird vorher noch bekannt gegeben. Die Organisator_innen hoffenauf eine breite, spektrenübergreifende und kreative Demonstration und wünschen
sich, dass sich sowohl Bürger_innen und Schüler_innen, als auch Antira-
Antifagruppen, Bleiberechtsgruppen, autonome Strukturen, Freiraum-, Tierrechts-
und RechtaufStadt-Gruppen, Gewerkschaften und Parteien an der Demonstration
beteiligen. Wenn Menschen, Journalist_innen usw. Fotos oder Videoaufnahmen von
der Demonstrationen machen möchten, bitten wir darum, uns vorher unter
oat.emsdetten@risup.net zu kontaktieren oder gegebenfalls bei der Demo-Orga am
Lautsprecherwagen Bescheid zu sagen. Menschen, die noch gerne Flyer und
Informationsmaterial an Unbeteiligte verteilen möchten, können sich ebenfalls
dort melden. Transparente, Fahnen etc. können gerne mitgebracht werden, das ist
sogar ausdrücklich erwünscht. Mobimaterial (Plakate/Flyer/Sticker) könnt ihr
jeweils Montag von 19:00 bis 21:00 Uhr in der Rheinerstr.28 im
Albert-Heitjans-Haus in Emsdetten abholen oder uns eine kurze Nachricht über
unsere E-Mail Adresse schicken, dann verschicken wir das einfach. Wir freuen uns
wenn unser Aufruf verbreitet wird, unsere Demonstration über soziale Netzwerke
beworben wird und viele Menschen gewillt sind an diesem Tag uns und den
Betroffenen ihre Solidarität zu schenken.
Die Demonstration soll grob in drei Blöcke eingeteilt werden:
1. Betroffene Arbeiter_innen von Fine Food
2. Antifa-, Antiragruppen, sonstige antifaschstische, emanzipatorische und
autonome Gruppen
3. Einzelpersonen, Gewerkschaften, Parteien, Vereine, Kirchengemeinden...
Um die Demonstration zu bewerben werden wir in verschiedenen Städten
Informationsvorträge abhalten:
21.02.2014 20:00 Münster „Krachtz“ Nieberdingstr. 8
25.02.2014 19:00 Osnabrück „Substanz“ Frankenstr. 25a
06.03.2014 19:00 Emsdetten Albert-Heitjans-Haus
Wenn ihr einen Vortrag in eurer Stadt organisieren wollt, schreibt uns.
Presseanfragen, allgemeine Fragen, Kritik und Anregungen an:
oat.emsdetten@riseup.net
Auf Nationalflaggen oder Objekte die befreiungsnationalistische Kämpfe bewerben
oder verherrlichen, möchten wir jedoch verzichten. Weiterhin machen wir darauf
aufmerksam, dass Nazis und Personen, die sich rassistisch, sexistisch, homophob,
antisemitistisch oder in sonst einer diskriminierenden Weise äußern oder
geäußert haben, der Zugang zu der Veranstaltung verwährt wird.
Unsere Forderungen
Wir forden, dass die Wohnbedingungen durch Sprehe radikal verbessert werden –
die Unterbringung der Arbeiter_innen muss menschenwürdig sein.
Wir fordern eine unverzügliche Auszahlung der ausstehenden Löhne aus 2013 und
2014 – Außerdem fordern wir nachvollziehbare Lohnabrechnungen in den jeweiligen
Landessprachen.
Wir fordern die Firma Sprehe auf, die Ausbeutung der ost- und südeuropäischen
Menschen, die in ihrem Unternehmen arbeiten, zu beenden und sie zukünfitg mit
festen Arbeitsverträgen mit tariflicher und sozialer Absicherung nach hier
gültigem Arbeitsrecht zu beschäftigen. Ein 3-Klassen-System aus
Festangestellten, Leiharbeiter_innen und Werkvertragsbeschäftigten ist nicht zu
tolerieren.

