Der humanitäre Fußabdruck, den unser THW in Krisenregionen hinterlässt.
Kathrin Vogler begrüßte Markus Boldt als neuen Ortsbeauftragten des Technischen Hilfswerks (THW) Greven am 22. März 2014 anlässlich seiner Amtseinführung:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Vennemeyer,
sehr geehrte Damen und Herren aus der Kommunalpolitik,
sehr geehrte Mitglieder des THW, sehr geehrter Herr Boldt,
ich freue mich, dass ich heute als heimische Bundestagsabgeordnete bei Ihrer Amtseinführung dabei sein darf und möchte Ihnen auch die Grüße der Linken im Rat der Stadt Greven überbringen.
Das Technische Hilfswerk ist eine Einrichtung zwischen Ehrenamt und Professionalität, die uns allen im Not- und Katastrophenfall schnelle und kompetente Hilfe leistet. Für diese Hilfe möchte allen Helferinnen und Helfern des THW herzlich Danke sagen, ganz gleich, ob haupt- oder ehrenamtlich und unabhängig davon, ob Sie persönlich bereits in einem größeren Einsatz waren oder sich noch darauf vorbereiten.
Als Mitglied im Unterausschuss Zivile Krisenprävention war ich in der letzten Wahlperiode in etlichen Ländern Afrikas und überall habe ich entweder Helfer des THW getroffen oder Einrichtungen gesehen, die das THW aufgebaut und dann lokalen Kräften überlassen hat. Ich bin sehr beeindruckt von dem humanitären Fußabdruck, den unser THW in Krisenregionen hinterlässt. Das THW gilt als schnell und hoch professionell, ganz gleich ob es um Deichschutz bei einer Flut in Sachsen-Anhalt oder Notstrom bei einer Schneekatastrophe im Münsterland geht, um Wasserversorgung in den Taifungebieten der Philippinen oder um die Wartung der UN-Fahrzeuge in Darfur im Sudan. Das ist ein erstaunlicher Ruf für eine Organisation, die vor allem aus Freiwilligen besteht.
Aber die Freiwilligen beim THW wissen, dass es bei einer Katastrophe nicht ausreicht, helfen zu wollen, sondern dass man auch Hilfe können muss und darauf bereiten sie sich intensiv vor. Es gibt da so einen Satz, den man im Zusammenhang mit Katastrophenhilfe und humanitärer Hilfe sehr oft hört, der lautet: „gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.“
Über unser THW habe ich das noch nie gehört.
Deswegen haben wir uns als LINKE auch im Bundestag dafür eingesetzt, dass 2011 im Zusammenhang mit der Aussetzung der Wehrpflicht die Bundesmittel für das THW erhöht wurden. Denn ohne die Ersatzdienstleistenden muss sich das THW personell viel stärker nach der Decke strecken. Wenn wir als Politikerinnen und Politiker auch weiterhin nur Gutes über seine Arbeit hören wollen, dann müssen wir mithelfen, damit das THW auch weiterhin genügend junge Menschen davon überzeugen kann, dass es sich lohnt, das Helfen zu lernen.
Warum lohnt es sich eigentlich, sich für etwas zu engagieren, das einem kein Geld einbringt und wegen der notwendigen Zeiten für die Übungen und Einsätze einer beruflichen Karriere vielleicht sogar schadet? Ist das nicht total altmodisch?
Ich meine: Es lohnt sich, weil Geld eben nicht alles und auch nicht das wichtigste im Leben ist. Weil das Gefühl, Menschen in einer Notsituation erfolgreich beiseite zu stehen, von keiner Gehaltserhöhung getoppt werden kann. Weil man Dinge lernt, die einem keine Wissens-App vermitteln kann. Auch, weil man mit Menschen zusammenkommt, die die gleiche Leidenschaft für Technik und Logistik im Dienst der Menschheit teilen. Und vielleicht auch ein bisschen, weil es doch irgendwie cooler ist einen Kettenbagger zu fahren als einen Porsche.
Ich gratuliere Ihnen, Herr Boldt, herzlich zu Ihrem neuen verantwortungsvollen Amt und wünsche Ihnen, dass Sie in Greven immer genügend Mitstreiterinnen und Mitstreiter finden, die diese Leidenschaft verbindet. Ich wünsche Ihnen und dem THW in Greven auch, dass die Einsätze, in die Sie gehen werden, niemals Ihre Kräfte übersteigen mögen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Politik immer offene Ohren finden, wenn es um die notwendige Ausstattung mit Material und Finanzen geht. Und last not least wünsche ich mir, dass sich in Zukunft auch mehr Frauen für ein Mitwirken im Technischen Hilfswerk begeistern. Immerhin können wir Fußballweltmeisterin und Kanzlerin. Da werden wir doch keine Scheu vor Kettenbaggern haben?
Danke.

