Skandal: Beeinträchtigung der Arzneimitteltherapie durch wirtschaftliche Interessen der Pharmaindustrie lässt Bundesregierung kalt
Kathrin Vogler findet es einen Skandal, dass Pharmafirmen lebensnotwendige Medikamente vom Markt nehmen, um sie ungleich teurer unter neuem Namen auch für andere Erkrankungen zuzulassen. Die Bundesregierung jedoch schaut nur zu, wenn ein Hersteller aus Profitinteresse die Arzneimittelversorgung verschlechtert und hält die Rechtslage für ausreichend. Dies geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage von Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag hervor.
Anlass war der Beschluss von Genzyme, einer Tochterfirma des Pharmakonzerns Sanofi, das bewährte Krebsmittel Mabcampath vom Markt zu nehmen und später zusammen mit Bayer eine Zulassung auch für Multiple Sklerose zu beantragen. Mit dieser „freiwilligen Marktrücknahme“ erhofft sich der Konzern eine einträgliche Gewinnsteigerung. So wird ein wirksames, aber in dieser Indikation nicht rentables Arzneimittel eingestampft, ohne dass es rechtlichen Möglichkeiten gibt, dagegen vorzugehen, selbst wenn sie dadurch die Versorgungsqualität für die Patientinnen und Patienten verschlechtert.
Eine ähnlich unverschämte Preispolitik gibt es bei Lucentis/Avastin: In diesem Fall wurde ebenfalls ein Krebsmedikament leicht modifiziert und mit neuer Indikation sowie neuem Namen zum dreißigfachen Preis auf den Markt gebracht. Auch hier betreibt die Bundesregierung weiterhin Realitätsverleugnung. Gerichte sind inzwischen gezwungen, die finanzielle Stabilität der Kassen gegen die Therapiesicherheit der Patientinnen und Patienten abzuwägen.
Darum muss die Bundesregierung endlich gegensteuern und eine gesetzliche Grundlage dafür schaffen, dass die Profite der Pharmaindustrie nicht mehr über dem Patientenwohl stehen können.
