Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Posfaktisch und Wahrheit

Posfaktisch und Wahrheit

Nun soll Postfaktisches verboten werden, aber wer entscheidet darüber, was wahr ist? Ein Wahrheitsministerium? Das kann nicht der Weg sein, wir müssen uns selber befähigen, zwischen Propaganda, Manipulation und Fakten zu unterscheiden.

Nun soll Postfaktisches verboten werde, aber wer entscheidet darüber, was wahr ist? Ein Wahrheitsministerium? Das kann nicht der Weg sein, wir müssen uns selber befähigen, zwischen Propaganda, Manipulation und Fakten zu unterscheiden.

 
Kathrin Vogler im Wortlaut:

 

Hallo Leute!

Im Moment ist viel die Rede von „postfaktischen Zeiten“ und von „Fake-News“. Manche Politikerinnen und Politiker sind der Auffassung, dass man jetzt neue Gesetze braucht, um die Verbreitung von Unwahrheiten und Unterstellungen, zum Beispiel im Internet, zu verbieten. Jetzt müssen wir uns erst einmal fragen: Was ist denn überhaupt Wahrheit?! Gibt es die denn, die allgemein gültige, universelle Wahrheit? Was sind da die Fakten? Wir werden von allen Seiten so oft belogen, wenn wir ehrlich sind. Jeder Krieg fängt mit einer Lüge an: Kriegspropaganda, Feindbildproduktion; all das sind Lügen, mit denen wir konfrontiert werden, um uns zu einem bestimmten Handeln zu bringen. Die ganze Werbung: voller Lügen, damit wir irgendetwas kaufen. Auch in Zeitungen steht nicht immer genau das drin, was passiert ist. Auch die Zeitungen haben einen Filter, auch die Fernsehsender, das Radio, überall ist ein Filter drauf; von der Redaktion, von den Journalistinnen und Journalisten, die entscheiden, was ihnen wichtig genug erscheint, dass wir es wissen sollen oder nicht. Die Herausforderung jetzt ist, dass mit dem Internet so viele verschiedene Fakten berichtet werden und jede Wahrheit als die einzig wirkliche wahre dargestellt wird, das es für normale Menschen kaum noch möglich ist, sich ein Bild zu machen, ob das, was man da berichtet bekommt, auch tatsächlich in der Realität so passiert ist. Dazu kommt noch, dass das Internet auch für Manipulationen sehr anfällig ist. Das heißt: Wenn ich bei Facebook dreimal auf ein bestimmtes Thema klicke, dann bietet mir Facebook immer wieder Informationen, Stellungnahmen und Meinungen genau zu diesem Thema an. Und wenn ich auf ein anderes Thema klicke, dann bekomme ich entsprechend das geliefert. Aber ich bekomme dann nur noch das und keine Gegensicht geliefert. Wenn ich möchte, dass ich begreife, was in dieser Welt los ist und wenn ich nicht nur denen hinterherlaufen möchte die sowieso mit mir einer Meinung sind, dann muss ich mir ein breiteres Bild anschaffen. Dann muss ich viel mehr lesen, aktiv danach suchen, abweichende Meinungen zur Kenntnis zu nehmen. Und da, glaube ich, hilft es nicht, wenn man neue Gesetze macht, die die Verbreitung von Unwahrheit unter Strafe stellen. Wer soll denn feststellen, was Wahrheit ist?! Kriegen wir ein Wahrheitsministerium?! Wer soll das leiten? Karl Theodor zu Guttenberg; der Fälscher, Plagiator und Lügner?! Ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist. Was wir tun sollten und was politisch getan werden kann: Wir sollten verbieten, dass in Innen-Sozialen Medien im Internet Maschinen unterwegs sind, die Meinungen manipulieren und die sich als Menschen ausgeben; diese so genannten Social Bots. Das sind Computerprogramme, die dich analysieren und gucken, was du gut findest, um dich dann in die eine oder andere Richtung zu lenken. Ich finde, das ist tatsächlich eine schlimme Unwahrheit und das sollte verboten werden. Ansonsten hilft uns nur kritisch bleiben, wach bleiben, nachfragen, nachhaken, alle Seiten anhören.