Schultrojaner: Wirtschaftsinteressen infiltrieren Schul-EDV
„Man muss wirklich einmal tief Luft holen und sich vor Augen führen, worum es hier eigentlich geht“, kommentiert Kathrin Vogler, Mitglied des Deutschen Bundestages, die Verträge zwischen Verwertungsgesellschaften, Schulbuchverlagen und Ländern. „Natürlich haben die Produzenten von Medien ein berechtigtes wirtschaftliches Interesse, illegale Kopien ihrer Produkte zu vermeiden, aber dieses Interesse kann doch nicht die Länder veranlassen, die Lehrer und Schüler unter Generalverdacht zu stellen, die Beweislast umzukehren und von nun an die Schulen zu nötigen, ihre Unschuld nachzuweisen. Genau das ist aber das der Einführung des Schultrojaners zugrundeliegende Prinzip; verknüpft mit der Verpflichtung der Länder, disziplinarrechtlich gegen ertappte Lehrer vorzugehen. Um die Frage des Datenschutzes gar nicht erst zu betonen hat man bei der Vertragsfindung die zuständigen Datenschutzbeauftragten einfach außen vor gelassen.“
„Man darf nicht übersehen“, so Kathrin Vogler, „dass es hier um digitale Reproduktionen geht. Schulbücher dürfen für den Unterricht weiterhin in gewissem Umfang kopiert werden, aber eben nur mit dem Kopierer. Ich vermute, dass hinter all dem eher die Bemühung der Schulbuchverlage steckt, die Bestände der Schulbücher an den Schulen zu erhalten. Digitale Medien lassen sich relativ günstig updaten, Schulbücher müssen durch völlig neue Auflagen ersetzt werden, was den Verlagen natürlich hohe und regelmäßige Umsätze ermöglicht.“
Kathrin Vogler weiter: „Unsere Schulen sind allerdings schon lange im digitalen Zeitalter angekommen. Von Schülerinnen und Schülern wird heutzutage zu Recht erwartet, dass sie mit Neuen Medien zu arbeiten lernen. Da ist es nur selbstverständlich, dass an Schulen digitales Material zur Verfügung gestellt werden muss, sei es für Präsentationen, für schuleigene Webinhalte, etc. Die LINKE vertritt deshalb die Position, dass Lehr- und Lernmaterial unter freien Lizenzen veröffentlicht werden muss, um einen freien und kreativen Umgang mit den Materialen an Schulen zu ermöglichen.“
