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So schützen Sie sich im Internet so gut wie möglich

Eine kleine "Gebrauchsanweisung"

Durch den NSA-Abhörskandal und die vergleichbaren Tätigkeiten der Briten hat  „Sicherheit im Internet“ einmal wieder die Aufmerksamkeit der vielen Menschen erregt, die alltäglich im World Wide Web unterwegs sind. Da die Reaktion der Bundesregierung auf diesen Angriff auf unsere Grundrechte darauf hinausläuft, dass jeder sich letztendlich selbst verteidigen muss und der Kanzleramtschef Ronald Pofalla die Angelegenheit für beendet erklärt hat, bleibt uns vorerst kaum etwas anderes übrig, als den Worten unseres Innenministers zu folgen und uns selbst zu schützen. Man kann nur für die Zukunft hoffen, dass Innenminister Friedrich bei einem Angriff auf das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit nicht damit kontert, dass genügend Kurse für asiatische Kampfsportartenangeboten werden. Oder der Bundesregierung am 22.9. die Rote Karte zeigen: Denn eine Bundesregierung, die sich nicht verpflichtet fühlt, die Grundrechte deutscher Bürgerinnen und Bürger zu schützen, ist untragbar.

Im Folgenden sollen kurz die verschiedenen schutzwürdigen Bereiche bei der Nutzung des Internets erläutert werden.

1.Virenschutz, Firewall, Browserschutz

Bei den meisten Nutzern ist es inzwischen angekommen, dass ein guter Virenschutz und eine gute Firewall auf jeden Rechner gehören. Ein Virenscanner hilft dabei, schädliche Programme auf dem Computer zu entdecken und  - sofern möglich – sie zu löschen und deren Schaden zu beheben. Man kann das mit einem Sicherheitsbeamten vergleichen, der in einer Firma nach Einbrechern sucht, sie festnimmt und eventuell entwendetes Diebesgut an seinen Platz zurückbringt.

Eine Firewall schränkt die Art des Datenaustauschs zwischen Computer und Netzwerk ein und prüft beständig die Verbindungen, Zweck ist es dabei, ungewollte Zugriffe zum Netzwerk durch Software auf dem Rechner, besonders aber Zugriffe vom Netzwerk aus auf den Rechner zu unterbinden. Im Prinzip ist das so etwas wie eine Ausweiskontrolle an den verschiedenen Eingängen eines Gebäudes, allerdings in beide Richtungen.

Der Browserschutz dient dazu, Zugriffe des Browsers, besonders über Java und Adobe Flash abzusichern. Diese im Browser integrierten Plugins laufen in einer so genannten Sandbox (Sandkasten) ab. Eine Sandbox ist ein Bereich der Software des Rechners der nach außen,  zum Beispiel zum Betriebsystem hin abgegrenzt ist, so dass kein Datenaustausch stattfinden soll. Das eigentlich bessere Bild ist eine Sandkuhle in der man Sprengstoffe explodieren lässt, während ein Sandwall die Umgebung schützt. Der Browserschutz sorgt nun dafür, dass dieser Sandwall sozusagen erhöht wird. Er sorgt unter Umständen auch dafür, das bestimmte Seiten gar nicht erst geöffnet werden (also bestimmte Sprengstoffe in der Grube nicht zugelassen werden).

Etwas mehr zu diesen drei Schutzbereichen finden Sie beispielsweise hier:

http://www.focus.de/digital/computer/pc-tipps/tid-27778/windows-rechner-so-schuetzen-sie-sich-vor-viren-und-datenraeubern_aid_831609.html

Software wird bei Chip Online unter folgenden Rubriken vorgestellt:


2. Verhalten in Facebook

Am Beispiel von Facebook lässt sich gut auf die Risiken der Nutzung Sozialer Netzwerke hinweisen. Diese Risiken stellen sich auf unterschiedlicher Ebene und sie gehen von unterschiedlichen Gruppen aus. Teilweise lassen sich Risiken vermeiden oder minimieren, teilweise haben Sie keinerlei Kontrolle.

Das Problem des Datenmissbrauchs beginnt keineswegs mit Facebook. Wenn Sie eine Autobiografie veröffentlichen und darin beschreiben, wo sie den Schlüssel zu ihrem Sommerhaus verstecken, müssen Sie sich nicht wundern wenn es kurz nach erscheinen des Buches leer ist. Wenn Sie auf einer Webseite Fotos von Ihrem letzten Strandurlaub veröffentlichen können Sie relativ sicher sein, dass diese sich schneller verbreiten, als Ihnen lieb ist. Das hängt natürlich auch von der Qualität der Fotos ab.

Facebook gibt Ihnen eine Reihe von Möglichkeiten auf ihrer eigenen Seite den Zugriff auf Ihre Daten einzuschränken: So können Sie den Zugriff auf Fotoalben nur für (Facebook-)Freunde einschränken, Teile Ihres Profils für andere Nutzergruppen unsichtbar machen etc.

Einen ersten guten Überblick über das Sicherheitsmanagement bei Facebook liefert Ihnen diese Seite beim Hessischen Rundfunk:http://www.hr-online.de/website/rubriken/ratgeber/index.jsp?key=standard_document_40606745

Eine etwas detailiertere und gut verständliche Auseinandersetzung mit Facebook finden Sie in dem bei Facebook veröffentlichten Facebook-Sicherheitsleitfaden. Sie sehen also: Auf dieser Ebene ist man selbst bei Facebook bemüht, Ihnen Schutz zu gewähren:https://www.facebook.com/safety/attachment/Guide%20to%20Facebook%20Security.pdf

Eine andere Ebene des Risikos stellt eine umfassende Auswertung Ihrer Aktivitäten durch Dritte auf dem „normalen“ Zugriffsweg da. Dazu könnte beispielsweise der Anlass sein, mehr über ihr Konsumverhalten zu erfahren, um sie gezielt mit Werbung zu bedrängen. Wird das von Hand vorgenommen, ist eine solche Erhebung recht aufwendig. Allerdings zeigt schon eine einfache Google-Suche mit ihrem Nutzernamen und dem zusätzlichen Begriff „Facebook“, dass ihre Posts auf öffentlichen Seiten keinesfalls geheim sind und eben nicht nur zufällig gefunden werden können. Mit entsprechenden Suchalgorithmen kommt man schon auf so einfachem Weg zu recht guten Resultaten.

Vor solchen Auswertungen sind Sie grundsätzlich nicht mehr geschützt. Alles was Sie öffentlich posten kann öffentlich gegen Sie verwendet werden. Das mag vielleicht nicht so aufregend sein, solange Sie sich nur für Bergsportausrüstung interessieren, bei bestimmten politischen Interessen wird es gegebenenfalls schon haariger.

Im Zusammenhang mit dem NSA-Skandal ist aber eine ganz andere Dimension des Datenmissbrauchs deutlich geworden. Wenn Sie einen Facebook-Account eröffnen stimmen Sie den Nutzungsbedingungen und besonders auch den Datenverwendungsrichtlinien von Facebook zu:https://www.facebook.com/full_data_use_policy

Hier sollte sich jeder einmal den Absatz „Wie wir uns bereitgestellte Informationen verwenden“ durchlesen. Dort steht unter anderem:

“Obwohl du uns gestattest, die Informationen zu verwenden, die wir über dich erhalten, bleiben diese doch stets dein Eigentum. Dein Vertrauen ist uns wichtig. Deshalb teilen wir Informationen, die wir über dich erhalten, nicht mit anderen, es sei denn: … wir haben dich darüber informiert, beispielsweise in diesen Richtlinien …“

Ganz unten auf der Seite findet sich folgender Eintrag:

Informationen für Nutzer außerhalb der USA und Kanadas

Unternehmensinformationen: Nutzern außerhalb der USA und Kanadas wird die Webseite www.facebook.com sowie alle Leistungen auf diesen Seiten von Facebook Ireland Limited, Hanover Reach, 5-7 Hanover Quay, Dublin 2, Irland bereitgestellt.

Nicht in diesen Richtlinien, aber bei den Nutzungsbedingungen  https://www.facebook.com/legal/terms findet sich folgender Eintrag:


Besondere Bestimmungen für Nutzer außerhalb der USA

1. Du bist damit einverstanden, dass deine persönlichen Daten in die USA weitergeleitet und dort verarbeitet werden.

Obwohl für deutsche Nutzer der Dienst von Facebook also auf einer irländischen Plattform stattfindet, werden die Daten in die USA weitergeleitet. Mit der Eröffnung eines Account gibt man dafür sein Einverständnis. Und in den USA können die Daten nach US-amerikanischem Recht verwertet werden.

Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Hierbei geht es nicht nur um diejenigen Daten, die Sie mit anderen teilen wollen, Texte, Bilder, Links etc., es geht schlichtweg um alle Daten, um Ihre Zugriffe, Ihre Aktivitäten, Ihren Chataustausch - also auch alle so genannten Metadaten. Inwieweit diese Daten in den USA ausgewertet werden ist (noch) nicht bekannt, aber grundsätzlich liegen sie vor und können auch ausgewertet werden, beispielsweise indem man nach Schlüsselbegriffen sucht, oder indem man eine Netzwerkanalyse ihrer Kontakte auf Facebook durchführt. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie ein paar Mal auf irgendwelche obskuren Posts antworten und wenig später als Mitglied der al Kaida gehandelt werden. Das Schlimme ist, dass sie davon erst erfahren, wenn Sie im Chicago O’Hara durch die Sicherheitskontrolle des Flughafens wollen. Aber ich will nicht überdramatisieren…

 

3. Email-Verschlüsselung

Ein drittes Thema, das seit dem NSA-Skandal immer wieder angesprochen wurde, ist die Verschlüsselung von E-Mails. Eine weit verbreitete Tatsache des digitalen Zeitalter lautet: Eine E-Mail ist genauso sicher wie eine Postkarte. Für alle, die im digitalen Zeitalter zur Welt gekommen sind: Eine Postkarte ist ein Brief ohne Umschlag.

Die Verschlüsselung macht nun aus einer digitalen Postkarte einen digitalen Brief. Der Umschlag ist dabei aus einem garantiert unkaputtbaren Material, das über eine Klappe verfügt, die durch ein Schloss gesichert ist. Bildlich gesprochen. Aber das ist der Grund, warum man überhaupt von einem „Schlüssel“ (engl. key) spricht.

Informationstechnisch gesehen wird mittels einer aufwendigen Rechenoperation mit verschiedenen ziemlich langen Primzahlen aus ihrer Nachricht ein Zeichensalat. Mit dem Schlüssel lässt sich dieser Prozess umkehren.

Es ist nun leider gar nicht mal so völlig unaufwendig, E-Mails zu verschlüsseln, wie das von manchen Politikern behauptet wird. Grundsätzlich gibt es zwei Verschlüsselungs- und Entschlüsselungsverfahren. Bei dem einen teilen sie sich mit dem Adressaten Ihrer E-Mail den gleichen Schlüssel (symmetrisch), bei der zweiten unterscheidet sich der Schlüssel zum Verschlüsseln von dem zum Entschlüsseln (asymmetrisch). Das letztere ist das am häufigsten gebrauchte Verfahren und wird vor allem im so genannten PGP-Verfahren (pretty good privacy – ziemlich gute Privatsphäre) verwendet.

Das Problem ist: In jeden Fall müssen Sie die Schlüssel mit ihren digitalen Brieffreunden austauschen. Auch dafür gibt es automatisierte Verfahren.

Wenn Sie hauptsächlich „normale“ E-Mails schreiben, also keine auffälligen Inhalte oder solche, die bei Schlüsselwortsuchen auffällig erscheinen könnten, verschicken, lohnt sich der Aufwand kaum.

Der wirklich beste Grund, E-Mails zu verschlüsseln (neben diversen Illegalitäten, die wir Ihnen nicht unterstellen wollen) ist es, der NSA Stress zu machen. Denn bei einem können Sie sich sicher sein: Die NSA sucht verschlüsselte E-Mails und wenn sie auf sie trifft wird Sie sich besonders viel Mühe geben. Und wenn viele Menschen verschlüsselte E-Mails verschicken wird die Mühe grenzenlos. Dabei sind der NSA weitestgehend die Hände gebunden. Eine gute Verschlüsselung hält beim derzeitigen Stand der Technik durchschnittlich ein bis sieben Menschenleben lang. Die NSA muss also mit den Metadaten wie Absender, Empfänger, Sendezeitpunkt, etc. Vorlieb nehmen und sich wiederum auf Netzwerkanalysen beschränken.

Auf der folgenden Seite gibt es ausführlichere Informationen zur Verschlüsselung von E-Mails und (ganz oben) eine Fotostrecke, die Ihnen am Beispiel des E-Mail-Clients Mozilla Thunderbird erklärt, wie sie eine Verschlüsselung mit openPGP einrichten:http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/so-verschluesseln-sie-ihre-e-mails-mit-openpgp-a-909316.html 

Sollten Sie andere E-Mail-Programme verwenden finden Sie entsprechende Anleitungen im Internet über die Suchmaschinen. Sie müssen aber für einen vollständigen Schutz davon Abstand nehmen, Ihre E-Mails online im Browser und direkt bei einem Provider wie Google-Mail und Yahoo-Mail (um nur die beiden US-freundlichsten zu nennen) zu schreiben und aufzubewahren.

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