Kleine Anfrage zur Zentralbibliothek Medizin (ZB MED)
„Die Schließung des DIMDI-Literaturzugangs und der ZB-med wären ein Tiefschlag für die evidenzbasierte Medizin in Deutschland.“ meint Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. „Für beides trägt die Bundesregierung maßgebliche Verantwortung. Zu Recht wird von Ärztinnen und Ärzten erwartet, auf dem aktuellen Stand des Wissens zu behandeln. Der freie Zugang zu medizinisch-wissenschaftlicher Literatur ist dafür absolut notwendig – nicht zuletzt auch um den marketingorientierten Informationen der Pharmaindustrie etwas entgegen setzen zu können.“
„Die Schließung des DIMDI-Literaturzugangs und der ZB-med wären ein Tiefschlag für die evidenzbasierte Medizin in Deutschland.“ meint Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. „Für beides trägt die Bundesregierung maßgebliche Verantwortung. Zu Recht wird von Ärztinnen und Ärzten erwartet, auf dem aktuellen Stand des Wissens zu behandeln. Der freie Zugang zu medizinisch-wissenschaftlicher Literatur ist dafür absolut notwendig – nicht zuletzt auch um den marketingorientierten Informationen der Pharmaindustrie etwas entgegen setzen zu können.“
„Die Vorgänge um die ZB MED und das DIMDI zeigen, das nicht nur die rechte Hand nicht weiß was die linke machte. Vielmehr ist sich die Bundesregierung über die Folgen einer Schließung der ZB MED für die medizinische Forschung in Deutschland nicht im Klaren. Anstatt die im Pakt für Forschung und Innovation vereinbarte Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Infrastruktur voranzutreiben, wird der medizinischen Forschung eines ihrer Standbeine amputiert. Es drängt sich der Verdacht auf, das hier Klientelpolitik zugunsten privater Datenbankbetreiber betrieben wird.“
Im Rahmen der Debatte um das drohende Förderungsende der Deutschen Zentralbibliothek Medizin–Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften Köln/Bonn (ZB MED), stellten Abgeordnete eine kleine Anfrage (18/8520) an die Bundesregierung. Zu dieser Anfrage liegt eine Antwort der Bundesregierung als Drucksache Nr. 18/8695 vor.
Damit einhergehend stellte die Linksfraktion eine kleine Anfrage zur drohenden Verschlechterung des Zugangs zu medizinischem Wissen in Deutschland.
Einführende Bemerkungen
Die ZB MED bietet überregional Fachinformationen für den Bereich Lebenswissenschaften, schwerpunktmäßig zu den Fächern Medizin, Gesundheitswesen, sowie seit 2001 zu Ernährungs-, Umwelt- und seit 2003 zu Agrarwissenschaften aber auch zu vielfältigen Randthemen dieser Fächer. „In den Ernährungs- und Umweltwissenschaften bestehe in der Bundesrepublik kein in Art und Umfang vergleichbares Angebot“ (Stellungnahme des Senats der Leibniz-Gemeinschaft zur ZB MED vom 17.03.2016). Die Bibliothek nimmt damit einen zentralen Platz in der wissenschaftlichen Infrastruktur ein. Die ZB MED hält in ihrem Bestand 38.400 Zeitschriften und 1,5 Millionen Bücher Das Angebot der ZB MED wird von Forscher*innen, Studierenden und auch Praktiker*innen wie bspw. Ärzt*innen bundesweit genutzt.
Problemlage
Die Zentralbibliothek Medizin – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften Köln/Bonn (ZB MED), soll bis 2019 aus der Förderung durch die Leibniz-Gemeinschaft ausscheiden, auf Vorschlag des Senats der Leibnitz- Gemeinschaft vom 16.03.2016. Die ZB-MED mag bei der Eigenforschung Schwächen haben, seine Dienstleistungsfunktion ist unverzichtbar.
Am 1.2. kündigte das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) an die medizinischen Datenbanken zu schließen. Die Literatur (Lebenswissenschaften) soll über das ZB-MED verfügbar bleiben, die Datenbankennutzung soll Privaten Anbietern übertragen werden. Die geplante Abwicklung der ZB-MED wird ignoriert.
Die Bundesregierung scheint die Schließung beider Einrichtungen zumindest hinzunehmen, wenn nicht sogar voranzutreiben. Dies geschieht, ohne die Kollateralschäden für den Forschungs- und Wissenschaftsstandort Deutschland zu bewerten und ohne Patienteninteressen zu berücksichtigen. Anders kann man das Ausblenden der Folgen und Fehlen eines Nachfolgekonzeptes nicht bewerten.
Folgen, wenn beide Einrichtungen schließen werden:
- höhere Kosten für medizinische Datenbankrecherchen über private Anbieter für Ressortforschungseinrichtungen, Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, medizinisches Personal, Kliniken
- Zusatzkosten für internationale Fernleihen und Kopien bei den dann nicht mehr in Deutschland verfügbaren Beständen
- Notwendigkeit zumindest einen Teil der dann nicht mehr verfügbaren 2715 laufenden, im nationalen Alleinbesitz des ZB-MED neu zu bestellen – vermutlich höhere Kosten
- höherer Aufwand bei Datenbeschaffung
- Verlust des „Herrschaft“ über Forschungsdatenbanken- Nachteil für einheimische Wirtschaft und Forschung
- fehlende Archivierung europäischer Publikationen – Nachteil für Europäische Spitzenforschung.
Ungeklärte Punkte:
- Umgang mit den Beständen der ZB-MED
- Weiterbeschäftigung des Personals
- wie erfolgt Aktualisierung und Offenhaltung der Datenbanken des DIMDI
Bedeutung ZB-MED für Bundesrepublik und weltweit:
- Die BR benennt, dass die ZB MED eine sowohl bundes- als auch weltweit bedeutsame Rolle im medizinischen und lebenswissenschaftlichen Bereich einnimmt und ihr Bestand mit keinem anderen deutschen Informationszentrum vergleichbar ist: „Die ZB MED hat in ihren Fachbereichen den weltweit größten Bestand an Medien“.
- Sowohl national als auch international gibt es keine Einrichtung, die als Ersatz dienen könnte, wenn das Angebot der ZB MED geschlossen würde.
- DIMDI und ZB-MED bieten Datenbasis für Forschungen der Lebenswissenschaften, die der Wissenschaft unnötige, zusätzliche Statistischen Erhebungen und Recherchen ersparen.
- Verknüpfung der verschiedenen Bereiche (Medizin/ Gesundheit mit Umwelt-/Stadtentwicklung und Landwirtschaft/ Ernährung ermöglicht effiziente Forschung zu gesellschaftsinduzierten Krankheiten, ja erst die Grundlage Veränderungen die durch neue Technologien ausgelöst werden zu erkennen.
Nutznießer der Entscheidung:
- zwei amerikanische Großbibliotheken,
- außereuropäische Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit außereuropäischen Forschungsbereichen
- private Datenbankanbieter und die Zeitschriftenverlage
- Hersteller neuartiger, kritischer Produkte, die direkt und indirekt auf menschliche Gesundheit und Umwelt einwirken
Ergebnisse der Kleinen Anfrage im Einzelnen
- Die Bundesregierung weigert sich, das Stimmverhalten ihrer Vertreterinnen und Vertreter im Leibniz-Senat offen zu legen (S. 3: Antwort auf Frage Nr. 1).
- Die Bundesregierung versteckt sich hinter der GWK, die am 24. Juni 2016 über einen Ausschluss der ZB MED entscheiden wird, obwohl sie die Hälfte der Stimmen in der GWK führt. Wie sie vor hat zu stimmen erklärt sie ebenso nicht (S. 3 u. 4: Antwort auf Fragen Nr. 2 u. 3 sowie S. 6: Antwort auf Frage 10).
- Die Bundesregierung erklärt die Literaturversorgung in den von der ZB MED abgedeckten Bereich als gemeinsame Aufgabe von Bund Ländern (S. 4: Antwort auf Frage Nr. 4).
- Die ZB MED bezieht mehr als 2.700 Fachzeitschriften im nationalen Alleinbesitz zudem dient sie als Vergabestelle von Identifikationsnummern für Publikationen (S. 4 u. 5: Antwort auf Frage Nr. 5).
- Mehr als 10 Forschungseinrichtungen des Bundes nutzen die ZB MED regelmäßig – u.a. das Umweltbundesamt sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (S. 5: Antwort auf Frage Nr. 6).
- Ob eine Schließung der ZB MED zu Mehrkosten für Ressortforschungseinrichtungen des Bundes sowie für andere von den Bund, Ländern oder gemeinsam finanzierten wissenschaftlichen Einrichtungen führt, wird von der Bundesregierung nicht beantwortet (S. 5 u. 6: Antwort auf Frage Nr. 7 sowie S. 7 u. 8: Antwort auf Frage 14).
- Die bundesweite Bedeutung der ZB MED wird von der Bundesregierung herausgestellt. Die Zugriffe auf Medien und Dienstleistungen der ZB MED stammen zu einem sehr großen Teilen nicht aus dem Sitzland NRW, die Publikationsberatung erfolgte sogar zu 100 Prozent außerhalb von NRW (S. 6: Antwort auf Frage Nr. 8).
- Laut Bundesregierung hat die ZB MED in ihrem Bereich den weltweit größten Bestand an Medien, den keine andere Bibliothek in Deutschland auch nur annährend erreicht. Internationale Bibliotheken mit vergleichbaren Beständen gibt es sonst nur in den USA, die jedoch bei Literatur aus Europa Lücken aufweisen (S. 7: Antwort auf Frage Nr. 11).
- Die Bundesregierung äußert sich nicht zur Frage, wie sich die Informationsversorgung in den von der ZB MED abgedeckten Bereichen nach ihrem Ausscheiden aus der Leibniz-Gemeinschaft entwickeln wird (S. 8: Antwort auf Frage Nr. 15).
- Die Bundesregierung äußert sich ebenso nicht zu den Fragen, wie der Zugang zu und der Erhalt von den Beständen, Zeitschriften und Datenbanken der ZB MED gesichert werden soll (S. 9 und 10: Antwort auf Fragen Nr. 20 - 26).
- Die Bundesregierung kann nicht ausschließen, dass es im Rahmen des Transformationsprozesses der ZB MED zu Personalabbau kommt (S. 10: Antwort auf Frage Nr. 27).
