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Wie Smarties?

Fast jeder Frau ist es wohl schon einmal passiert: Das Kondom ist geplatzt, die Pille wurde vergessen oder der One-Night-Stand kam überraschend und unvorbereitet. Doch zum Glück gibt es da ein Mittel, das auch nach einer Verhütungspanne den Eisprung verhindern kann. Schon seit Jahrzehnten ist in der EU ein Mittel mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (LNG) als nachträgliches Verhütungsmittel für den Notfall zugelassen. Und in beinahe allen EU-Staaten ist dieses Mittel rezeptfrei erhältlich, mit Ausnahme von Italien, Polen und … richtig, Deutschland. In Frankreich und Großbritannien wird LNG bei Bedarf in der Schule an Schülerinnen ausgegeben. In den Ländern, in denen die „Pille danach“ verschreibungsfrei wurde, sanken in der Folgezeit die Abtreibungszahlen, es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass die Frauen ihr Verhütungsverhalten änderten.

Warum ist die Verschreibungspflicht ein Problem? LNG ist umso wirksamer, je schneller es nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Spätestens 72 Stunden danach muss die Pille eingenommen werden, sonst wirkt sie nicht. Gerade im ländlichen Raum ist das für viele, insbesondere für junge Frauen, ein Problem. Erst eine Ärztin finden, die das Mittel verschreibt, dann eine Apotheke, die geöffnet hat – das kann am Wochenende schwierig werden. Im letzten Jahr machten katholische Krankenhäuser in Köln bundesweit Schlagzeilen, weil sie einer vergewaltigten Frau die „Pille danach“ verweigerten.

Jetzt hat der zuständige Sachverständigenausschuss beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erneut die Freigabe der "Pille danach" empfohlen. Der Bundesrat hatte dies mit den Stimmen der rot-rot-grün regierten Länder ebenfalls beschlossen. Nun könnte das Bundesgesundheitsministerium eine Verordnung erlassen, in der die "Pille danach“ von der Verschreibungspflicht ausgenommen wird.

Nur: Das CDU-geführte Ministerium weigert sich. Mit allerlei sachfremden Argumenten wehren sich die Unionspolitiker dagegen, dass Frauen ein kleines Stück mehr Selbstbestimmung in Verhütungsfragen erhalten. Insbesondere der CDU-Sprecher für Gesundheitspolitik, Jens Spahn, hat viele Frauen gegen sich aufgebracht, weil er ihnen unterstellt hat, dass sie die „Pille danach“ wie Smarties einwerfen würden. Dazu meint Kathrin Vogler: „Herr Spahn sollte sich mit seinen überheblichen und besserwisserischen Unterstellungen vorsehen. Weil es ja so ist, dass in den meisten heterosexuellen Beziehungen noch immer die Frauen für die Verhütung verantwortlich sind, muss man ihnen auch die Verantwortung für ihren eigenen Körper zutrauen. Unser Körper – unsere Entscheidung!“

DIE LINKE wird deshalb in Kürze einen Antrag einbringen, indem die sofortige Rezeptfreiheit für die "Pille danach" gefordert wird. Immerhin schon elf Jahre länger als nötig müssen die Frauen auf diese Verordnung warten, denn bereits 2003 gab es eine ähnliche Empfehlung des Sachverständigenausschusses. Kathrin Vogler fordert nun von der SPD, auf den Koalitionspartner Druck auszuüben und sich in dieser Frage durchzusetzen. „Es geht um eine wissenschaftlich begründete Entscheidung zu Gunsten der Frauen und ihres Selbstbestimmungsrechts.“

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